LittleBigPlanet 3 – Kreativität ohne Grenzen

usk62Jump`n`Runs sind so alt wie die Videospielkonsolen. Schon zu seligen Atari-2600-Zeiten hüpfte man mit seiner noch pixeligen Spielfigur über Krokodile und Löcher voller Treibsand. Die Aktionen beschränkten sich auf das Rennen und Springen, an eine Liane hing man sich automatisch. Es gab auf dem klobigen Pad doch nur einen Button. Nun läuft Sackboy inzwischen durch LittleBigPlanet 3 und es hat sich seit dem großartigen Pifall von 1982 so viel und doch so wenig getan. Ein Jump`n`Run bleibt eben immer ein Jump`n`Run`.

Nach den großartigen ersten beiden Teilen auf der PS3 gibt Sackboy nun sein Debut auf der PS4. Und er bekommt diesmal Unterstützung von weiteren Säcken. Denn in seiner Naivität hat Sackboy der Glühbirne Newton geholfen, die Titanen zu befreien. Diese hatten vor ewigen Zeiten die Welt Bunkum aller Kreativität beraubt, konnten aber natürlich besiegt werden. Und weil es für die damaligen Helden danach nichts heldenhaftes mehr zu tun gab, taten die Helden eben das, was alle arbeitslosen Helden so tun: Sie zogen sich zurück und harren seither der Dinge, die da kommen.

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Einen Oscar bekommt die Story für ein besonders kreatives Drehbuch mit Sicherheit nicht, aber irgendwie tut eine Story in einem Jump`n`Run auch nichts zur Sache. Es geht um das Hüpfen und Sammeln. Und davon bietet auch LittleBigPlanet 3 wieder reichlich. Obwohl … reichlich ist auch für den Storymodus die falsche Umschreibung, denn die Story ist recht kurz. Aber wer hier alles entdecken und einsammeln möchte, statt nur durch die wunderschönen Level zu hetzen, ist dann doch wieder eine Weile beschäftigt. Aber der Kreativmodus und die Nebenmissionen sorgen dafür, dass man auch im dritten Teil der Serie wieder zahllose Stunden mit dem Pad in der Hand verbringen wird. Dafür werden mit Sicherheit auch die unzähligen selbst erstellten Level von Spielern auf der ganzen Welt sorgen.

Wer Sackboy das erste Mal in die Hand nimmt wird erschlagen sein von dem, was in den ersten Minuten auf ihn einprasselt. Denn aufgrund der zahlreichen sammelbaren Objekte, der unendlichen Anzahl von Stickern, die überall angebracht werden sollen und können und den umfangreichen Möglichkeiten, das Aussehen seiner Spielfigur zu verändern, wird das eigentliche Spiel und die Aufgabe Bunkum zu retten, fast zur Nebensache. Wie immer mit an Bord der unbekannte Erzähler, der den Spieler an die Hand nimmt und ihm die zahlreichen Aufgaben und Möglichkeiten erklärt. Anfängern wird es zu Beginn schwerfallen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Aber nach wenigen Minuten hat man dann alles verstanden und dem Spielspaß mit dem stummen, aber wieder sooo niedlichen Sackboy steht nichts mehr im Wege.

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Wie bereits erwähnt kann Sackboy diesmal das Abenteuer nicht allein bewältigen. Und so muss er seine drei Mitstreiter suchen und befreien, in dem er pro Spielwelt drei versteckte Murmeln einsammelt. Hier bedient sich LittleBigPlanet 3 dann bei vielen anderen Titeln. Denn die Fähigkeiten der drei weiteren Protagonisten haben wir so schon einmal in anderen Spielen gesehen. Sei es der Wandlauf, um höhergelegene Plattformen zu erreichen oder der Flugmodus einer weiteren Figur. Aber neben den Fähigkeiten der neuen Säcke bringen die Hilfsmittel, die Sackboy an die Hand bekommt, zusätzlichen Spielspaß. So muss man mit einer Art Fön Windräder betätigen, um Plattformen zu verschieben oder Schalter zu betätigen oder man schießt Kugeln durch die Gegend, die Warp-Zonen betätigen. Trifft eine Kugel auf eine Warp-Zone, taucht Sackboy an einer anderen Stelle wieder auf.

Kenner der Serie fühlen sich beim Leveldesign sofort wieder wie zu Hause, Neulinge werden an vielen Stellen einfach kurz innehalten und über die unzähligen witzigen Einfälle staunen. Jeder Level strotzt vor Ideen und grafischen Feinheiten. So hüpft man dann fröhlich und aufgrund des moderaten Schwierigkeitsgrades relativ entspannt durch die Welt, bis man dem knackigen Endgegner gegenüber steht. Da ist dann nämlich Schluss mit lustig. Beim ersten Boss verlangte mir als nicht mehr ganz so taufrischem Spieler allein die Kontrolle des Pads einiges ab. Einerseits musste ich hüpfen, um den Händen aus Metall und der heißen Herdplatte zu entgehen, andererseits musste ich mit dem rechten Stick Feuerbälle wegblasen und Windräder betätigen, um Heizspiralen zu erhitzen. Zahlreiche Sackboys ließen ihr virtuelles Leben, bis das geschafft war.

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Ist die Story durchgespielt, wendet man sich dem Kreativmodus zu. Dahinter verbirgt sich der wahrscheinlich umfangreichste Level-Editor der Videospielgeschichte. Statt der bisher 3 Ebenen zum Gestalten stehen nun gleich ganze 16 sowie etliche neue Features zur Verfügung. Grenzen im Leveldesign setzt hier wahrscheinlich nur eigene Ideenlosigkeit. Und wer wirklich keine eigenen Ideen hat oder keine Zeit aufbringen kann, sich in diesen Modus einzuarbeiten, stürzt sich erst einmal in die unzähligen von Spielern erstellten Level. Bei LittleBigPlanet 3 gilt tatsächlich, nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Zahlreiche Beiträge berichten von etlichen Fehlern, die LittleBig Planet selbst nach einem Day-One-Patch noch den Spaß rauben. Erschreckend finde ich aber, dass es für das Beheben von Fehlern in unfertiger Software inzwischen einen Begriff gibt. Ist ein Spiel inzwischen ohne einen Day-One-Patch nicht mehr lauffähig? Viele der beschriebenen Fehler wie defekte Reset-Punkte nach Sackboys Ableben oder zerstörte Savegames tauchten bei mir nicht mehr auf. Auch Glitches habe ich keine gefunden. Dennoch war ich verwirrt, dass ich nach dem Scheitern beim zweiten Endgegner den kompletten Level von vorn beginnen musste? Das war beim ersten Bosskampf nicht der Fall. Obendrein funktionieren wohl zahlreiche Server noch immer nicht. Einige Stellen im Spiel lassen sich nur zu zweit lösen. Man kann hier einem Onlinespiel beitreten, hat man keinen Mitspieler zur Hand. Leider blieben die Anfragen oft unbeantwortet oder das Spiel stürzte ab.

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Fazit:

Auch im dritten Teil spielt LittleBigPlanet wieder groß auf. Das liegt aber nicht mehr am inzwischen bekannten Spielprinzip oder den nun weiteren Figuren, sondern am nochmals verbesserten Kreativmodus. Dieser entschädigt für eine überschaubare Spielzeit, denn ungezählte selbst erstellte Level wollen erkundet werden. Seien es eigene fantasievolle Kreationen oder Nachbauten bekannter Hintergründe aus anderen Videospielen, nirgendwo wird Kreativität so gelebt.

Auch wenn die Serie für Profis nichts wirklich Neues bietet, so sollten Neueinsteiger unbedingt zuschlagen. Die Grafik ist ein Traum, wenn man denn auf verspieltes Design abseits des Ego-Shooter-Einerlei steht. Das Gameplay ist ohnehin seit Teil 1 über jeden Zweifel erhaben. Wer dann noch menschliche Mitspieler zur Hand hat, um die Level gemeinsam zu erkunden, ist auch nicht auf einen noch nicht ganz fehlerfreien Onlinemodus angewiesen.

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