Lego Batman 2: DC Super Heroes

Lego wohin man schaut. Habe ich mich bei Lego Harry Potter – Die Jahre 5 – 7 noch gefragt, was Travellers Tales eigentlich noch verbessern möchte, bekomme ich mit Lego Batman 2 – DC Super Heroes auch prompt eine Antwort. Man kann einiges verbessern, oder sollte ich sagen: Ver“schlimm“bessern?

Dem Fan der Serie springt die gravierendste Änderung seit dem Aussterben der Dinosaurier bereits im Vorspann ins Gesicht, oder besser: In die Ohren! Denn in den Sequenzen wird jetzt gesprochen! Vorbei die Zeiten, in denen Gebrabbel und Gestammel zum guten Ton gehörten.

Aber durch diese gravierende Veränderung geht der Serie für mich zumindest in den Zwischensequenzen ein gehöriges Maß an Witz verloren. Mussten sich die Programmierer bisher bemühen, anhand von pantomimischer Grafik den Plot voran zu treiben, ist dies bei Kommentaren nicht mehr nötig. Und so leiden die Videoschnipsel doch eher unter dem gesprochenen Wort, als dass es sie voran bringt. Und es wird noch schlimmer. Spätestens wenn Butler Alfred zum wiederholten Male näselnd „Entschuldigen sie bitte, Sir“ oder „Was kann ich für Sie tun, Sir?“ von sich gibt, um auf etwas hinzuweisen, beginnt die Sprachausgabe zu nerven. Alfred lässt sich jedoch in den Optionen stumm schalten.

Aber nach so viel anfänglicher Kritik geht es in die Vollen. Lego ist bekannt und doch ist Lego Batman 2 so ganz anders, so vollkommen neu, ohne dabei von der liebgewonnenen Linie abzuweichen. Und das liegt einzig an der neuen 3D-Grafik-Engine, die TT verwendet. Selten sah eine Lego Welt so bunt und so realistisch aus! Man merkt hier in jedem Level, dass die Entwickler sich um Fortschritt bemühen, ohne dabei das Konzept der Serie zu stark zu verändern oder sogar komplett umzukippen. In jedem Level wird man von optischen Neuerungen fast erschlagen. Die Texturen können auch aus Assassin`s Creed stammen, so realistisch wirken diese stellenweise. Ebenfalls für anerkennendes Kopfnicken sorgen die zahlreichen Wasser- und Feuereffekte.

Aber Grafik ist das Eine, viel wichtiger ist: Wie spielt sich Lego Batman 2: DC Super Hereos denn nun? Wer nach so viel Veränderung die Befürchtung hat, dass auch bezüglich der Spielbarkeit mächtig am Rad gedreht wurde, den kann ich beruhigen, denn hier ist TT seiner Lego-Linie treu geblieben. Es wird noch immer gehüpft und alles, was nach Lego aussieht, wird weiterhin in seine Einzelteile zerkloppt. Noch immer müssen Rätsel gelöst werden und diese folgen dem strikt linearen Levelaufbau. Wer einen Lego-Titel kennt oder noch besser, bereits den Vorgänger gespielt hat, findet sich sofort zurecht. Oder auch wieder nicht, denn bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass TT viel Aufwand in die Erschaffung von Gotham City, dem Arkham Asylum und der Bathöhle investiert hat. Denn die neue Welt ist so gigantisch, dass ihr nun Bat-Terminals benötigt, um euer neues Ziel zu erreichen oder einfach nur, um den Überblick zu behalten. Damit ihr euch nicht verfahrt oder verlauft, haben die Geisterstuds aus Lego Harry Potter als Wegweiser jetzt auch Einzug in der Batman Welt gehalten.

Während ihr mit dem Batmobil unterwegs zu neuen Zielen und Aufgaben seid, wird euch das komplette Ausmaß der neuen Lego Welt bewusst. Riesige Straßenzüge, in denen zu allem Überfluss noch die entlaufenen Insassen des Arkham Asylums und des Jokers Schergen Jagd auf die Einwohner machen, lassen euch immer wieder innehalten und staunen. Denn außer in den Echtzeitstrategieleveln von Lego Star Wars III sind euch noch nie so viele Figuren auf dem Bildschirm gleichzeitig begegnet. Und noch etwas wird euch sofort auffallen: Endlich, endlich, endlich lassen sich die Fahrzeuge auch steuern wie Fahrzeuge. Vorbei die Zeiten, in denen man schier wahnsinnig geworden ist, weil man ein Gefährt auf einer Fläche abstellen musste und das Teil ein Eigenleben in der Steuerung entwickelte. Egal ob Batmobil oder Schulbus, alles lässt sich so bewegen, wie ihr das wollt.

Auch wenn das Spiel Lego Batman 2: DC Super Heroes heißt, dreht sich der Ablauf in erster Linie um die beiden Protagonisten Batman und Robin. Wie im ersten Teil müssen die beiden Jagd auf den Joker und dessen wahnsinnige Gefolgschaft machen. Neben den bekannten Bösewichtern Harley Quinn, The Riddler, Bane oder Two Face spielt aber nun Lex Luthor, Supermans Erzfeind, eine weitere Hauptrolle. Bis auf Superman, der sich in einigen Leveln hinzugesellt, bekommt ihr den Rest der Helden aber erst gegen Ende des Spiels zu Gesicht.  Ansonsten sind der Fledermausmann und Robin auf sich allein gestellt. Wer aber das erste Mal den Helden mit schwarzer Locke in seinem rot-blauen Strampelanzug steuert, wird sich ein Grinsen nicht verkneifen können. Hitzeblick, Röntgenblick und Eisblick sind selbstverständlich wie fliegen können und Unbesiegbarkeit. Alles Dinge, für die Batman und Robin in die verschiedensten Anzüge schlüpfen müssen.

Denn auch die verschiedensten Anzüge aus Teil 1 sind wieder ein wichtiger Bestandteil. So schlüpft Batman in den Power-Anzug, mit dem er Bomben werfen kann, um silberne Gegenstände zu sprengen, oder den Elektroanzug, um durch elektrische Energie zu laufen und tote Maschinen zum Leben zu erwecken. Robin bekam unter anderem das Akrobatenkostüm, mit dem er eine Stange werfen kann, an der er höher gelegene Plattformen erreicht oder den bekannten Magnetanzug, mit er jetzt nicht nur an Wänden entlang laufen kann, sondern auch magnetische blaue Gegenstände zerstören kann. So schlägt und rätselt sich das dynamische Duo durch Level, die so groß sind, dass man nun zwischenspeichern kann. Ja, richtig gelesen, denn am Anfang eines neuen Abschnitts habt ihr nun die Möglichkeit, an einem Terminal zu speichern. Eine weitere sinnvolle Neuerung, vor allem, da man in manchen Leveln gut eine Stunde Spielzeit verbringen kann.

Die Handlung selbst ist frei erfunden und orientiert sich weder an alten oder neuen Filmen, noch an Comics. Alle Level folgen dem bekannten Aufbau. Starte an Punkt A, löse Rätsel und kämpfe dich zu Punkt B. Neu hinzugekommen sind jetzt aber Shooter-Einlagen. So fliegt man unter anderem mit dem Batwing und folgt dem Joker, der in einem Boot zu fliehen versucht. Das Batwing oder Robins Hubschrauber fliegen hierbei automatisch, lediglich ein übergroß markiertes Ziel muss anvisiert werden. Ob diese eher belanglosen Einlagen nun sinnvoll sind, mag dahin gestellt sein, sie lockern das Geschehen aber insgesamt ein wenig auf.

Natürlich muss auch wieder gesammelt werden, was das Zeug hält. Zweihundertfünfzig goldene Steine wollen gefunden werden, dazu weitere zwanzig rote Steine, die die bekannten, legalen Cheats aktivieren. Und nein, natürlich findet man diese Dinge nicht beim ersten Durchspielen, sondern man spielt einen jeden Level im freien Spiel erneut, damit man auch wieder sämtliche Minikits zusammensetzen und alle Bürger in Gefahr befreien kann. Weiterhin spielt man ein Lego-Spiel nach Möglichkeit zu zweit am dynamischen Splitscreen. Das liegt erstens an der gelegentlich wenig überzeugenden KI eines vom System gesteuerten Kameraden – manchmal vergisst Superman tatsächlich, dass er fliegen kann – und zweitens gibt es wieder keinen Online-Modus.

„Wow, ist das hier aber riesig“ war mein erster Gedanke, als ich mich über die offene Welt von Lego Batman 2: DC Super Heroes bewegt habe. Hunderte Figuren gleichzeitig auf dem Bildschirm, ungeahnt große Levels und viele sinnvolle Neuerungen in Sachen Grafik und Steuerung heben die Lego Reihe auf ein neues Niveau. Travellers Tales hat viel gewagt und viel gewonnen. Die einzige Änderung, mit der ich mich nicht wirklich anfreunden kann, ist die Sprachausgabe. Zuviel Witz und Situationskomik bleiben durch das gesprochene Wort auf der Strecke.

Wer aber damit kein Problem hat, bekommt mit dem neuen Batman auch gleich ein neues Lego mit dem umfangreichsten Spielspaß seit der Digitalisierung der Lego Steine. Und die Soundbegleitung ist wieder einmal erste Sahne.

Ach ja: Warum Superman mit seinem Hitzeblick zwar Gold schmelzen kann, aber an Silber scheitert, bleibt wohl ewig ein Geheimnis 😉

 

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