Internet? Doch nicht mit uns!

Videospielen ist heute untrennbar mit dem Internet verbunden. Neben zahlreichen, meist unnötigem DLC aller Art braucht jede Konsole inzwischen in mehr oder weniger unregelmäßigen Abständen ihre Updates. Dass das sinnvoll sein kann, zeigte Microsoft beim ersten großen Update der XBOX 360, nach dessen Einführungen man das Gefühl hatte, eine neue Konsole vor sich zu haben.

Das genaue Gegenteil ist meine Playstation 3, die nicht täglich läuft, dafür aber – scheinbar aus Rache wegen Vernachlässigung und verletztem Ehrgefühl – dann gewaltige Updates zieht, die so unnötig wie ein Pickel am Hintern sind. Denn was soll ich mit einer polnischen Datei zu einem Firmware-Update?

Updates können also sinnvoll oder auch sinnfrei sein, man nimmt sie als gottgegeben hin, weil man ohnehin nicht weiß, was einem der Hersteller da von hinten in die Konsole schiebt. Zu DLC, Filmen, Demos oder sonstigem Schnullipups kann jeder seine eigene Meinung haben, Fakt ist, man benötigt Internet. Und das mit möglichst dicker Leitung. Filme wollen nicht mehr nur heruntergeladen werden, nein, aus Zeitgründen müssen sie gestreamt werden. Also gleichzeitiges Laden und Anschauen (hat eigentlich früher jemand den gerade aus der Videothek geliehenen Film schon auf dem Nachhauseweg geschaut?). Und auch Demos, bei denen man nie weiß, was einem am Ende erwartet – wie das vollkommen geistlose F1-Racers von Kotmeisters – nehmen inzwischen Ausmaße an, die bar jeder Vernunft sind.

Aber Videospielgeräte und Computer, selbst VoIP sind Klassiker, denn auch Kühlschränke, Haartrockner und Klorollenhalter sind heute internetfähig … oder werden es bald sein (“Warnung, nur noch fünf Blatt Papier auf der Rolle. Zum Kacken letzte verfügbare Rolle bereit halten! Soll ich online neues Papier bestellen? Antworten Sie bitte mit Ja oder Nein“). Je mehr Geräte dem Datensammelmonster am anderen Ende der Leitung mitteilen, mit welchem Finger wir uns gerade das letzte Blatt durchgedrückt haben, desto dünner wird aber die Leitung. Das ist und bleibt Gesetz, man bekommt eben nur schwerlich sieben Goldhamster gleichzeitig durch einen Gartenschlauch. Ohne dicke Leitung bewegen sich Daten langsam oder auch mal gar nicht.

Man benötigt also einen Internet-Provider, um mit der Außenwelt im Kontakt zu bleiben und geistige Diarrhoe wie diese auf einer Website mitzuteilen. Früher war das schwierig, aber zum Glück ist der Markt jetzt offen. Das böse, böse Monopol der ehemaligen gelben Deutschen Post wurde vom Kartellamt gesprengt, jetzt dürfen alle ein Provider sein und dem gutgläubigen Kunden mit undurchsichtigen Verträgen Internet verkaufen („Im ersten Jahr billig, ab dem zweiten Jahr jetzt nur noch doppelt so teuer“). Einer dieser Anbieter ist 1&1, bekannt aus dem TV und hier besonders durch den ehemaligen Leiter Kunden(un)zufriedenheit Marcell D`Avis.

Ja, genau der Marcell D`Avis, der seine Visitenkarte mit E-Mail randdebil lächelnd in die Kamera hielt und uns gutgläubigen, nach Service und Aufmerksamkeit lechzenden Trotteln weismachen wollte, man kümmert sich bei 1&1 um unsere Anliegen. Lügen haben bekanntlich kurze Beine, Marcell D`Avis dürfte demnach inzwischen nur noch knapp 79 Zentimeter groß sein, Tendenz noch immer fallend. Denn der gute Onkel vor dem blauen Logo und mit den vollmundigen Versprechen zu Service und Kundenzufriedenheit wurde nach einem Shitstorm der Entrüstung unzufriedener Kunden auf das 1&1 Blog ganz schnell wieder von der Mattscheibe entfernt wie ein zerplatztes Insekt nach einer sommerlichen Autofahrt.

Und das aus gutem Grund, denn wie überall wo Service auf ganzer Linie versagt, versteckt man sich auch bei 1&1 hinter dem System. Und das funktioniert mit der Hotline in vorderster Front ganz vorzüglich. Angefangen beim Telefoncomputer, über lange Wartezeiten hin zu inkompetenten, unmotivierten, aber gezwungen höflichen Zwangsarbeitern mit Headset sieht die Realität bei einem Problem bei 1&1 anders aus, als sie uns der freundliche Versager in legerer Kleidung am TV weismachen wollte.

Ja, man ahnt es schon … bis Mai 2013 bin ich noch 1&1 Kunde … leider. Auch ich habe mich vor Jahren von der schönen blau-weißen, perfekten Internetanschluss-Welt blenden lassen. Ich hoffte, dass mir 1&1 schnelles Internet ermöglicht, es nie irgendwelche Probleme gibt und wenn, dass die mit einem kinectmäßigen Wischen der linken Hand wie von Zauberhand verschwinden. Das war auch fast so, bis ich vor Jahren von Berlin in eine umliegende Kleinstadt zog. Denn aus meinen ehemals 16.000 kBit/s wurden schlagartig nur noch 2.000 kBit/s, wenn überhaupt. Mit Glück kamen in den letzten Jahren 950 kBit/s an, minütliche Leitungsabbrüche zu Beginn inklusive. Aber damit konnte ich leben, nachdem die Leitung endlich halbwegs stabil war. Updates waren eben Geschäft während der Nacht und Filme streamen … mein Gott, der Gang zur Videothek ist nicht so weit. Problem war mein VoIP, seitdem gibt es für 1&1 keine Einzugsermächtigung mehr, Rechnungen zahle ich aus gutem Grund nur noch nach eingehender vorheriger Prüfung.

Aber alle meine Probleme schienen behoben, denn seit einer Woche liegt hier eine Leitung von nun gewaltigen, utopischen, gigantischen, armdicken und kaum vorstellbaren 50.000 kBit/s an … sie liegt an, aber nicht für mich. Denn voller Freude rief ich die Telefonseelsorge der 1&1-Hotline an, um zu erfragen, wann denn meine bezahlte 16.000er Leitung endlich, endlich, endlich aufgebohrt wird? Ein an sich nettes Telefonat (mit dem Computer), bis zu den Sätzen der dann menschlichen Stimme „dass das technisch nicht möglich ist. Ihr Hauptverteiler liegt in 3,5 Kilometern Entfernung und die Dämpfungswerte geben nichts anderes her. Es bleibt bei ihrer Leitung.“ Plopp, Blase geplatzt. Vertrag ist also jetzt endgültig zum 27.05.2013 gekündigt und dann geht es zurück zur Telekom.

edit:

Ich habe mehrfach Post von 1&1 bekommen. Man möchte mich als Kunden behalten und bietet mir eine Doppel-Flat 16.000 an … ohne Worte! Weiterhin erreichen mich nun im Wochentakt Anrufe besorgter 1&1 Mitarbeiter, ob ich denn nicht doch weiterhin Kunde bleiben möchte? Man bietet mir auch eine Umstellung meines Vertrages an, von 16.000 kBit/s auf 2.000 kBit/s. Komisch dass das erst nach der Kündigung funktioniert, denn auf mehrfache telefonische Anfrage meinerseits war das nie möglich.

 

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