Hardwaretest: Ultrasone Sirius am Performance 860

Wikipedia bezeichnet Sirius als Hundsstern, Aschere oder Canicula. Dieser ist als Doppelsternsystem des Sternbildes „Großer Hund“ das südlichste sichtbare Himmelsobjekt des Wintersechsecks. Soweit zur Astrologie. Ultrasone hingegen bezeichnet Sirius als neuen Bluetooth Adapter für die Kopfhörer der Perfomance Reihe. Und mit diesem kleinen, aber feinen Zubehör haben wir uns intensiv beschäftigt.

Im vergangenen Jahr durften wir uns bereits dem Performance 820 widmen, zum Test kommt diesmal der 860 mit Sirius zusammen in einem Paket. Wer aber bereits im Besitz eines Performance Kopfhörers ist, kann Sirius nachrüsten und nun auch kabellos Musik streamen. Ultrasone hat diesen Adapter so gestaltet, dass er am Kopfhörer so gut wie unsichtbar ist. Eine zierliche Leiste mit nur 12 Gramm Gewicht fällt kaum einem Betrachter auf. Sirius passt sich der Kontur der Ohrmuschel des Performance einfach formvollendet an.

Dabei steckt in diesem kleinen Stück Kunststoff unglaublich viel Technik. Wo ein so winziger Akku fast 12 Stunden Leistung am Stück herholt, ist fast schon unheimlich. Aufgeladen ist der Akku innerhalb einer Stunde. Dazu kommt der hochwertige aptX Bluetooth Codec, der – entsprechende Übertragung vorausgesetzt – das komprimierte Bluetooth Signal wieder so dekomprimiert, dass auch audiophile Musikliebhaber glücklich werden.

Zusätzlich beinhaltet die kleine Erweiterung einen speziell abgestimmten Verstärker für ausreichende Leistung für den Kopfhörer. Sirius bietet also alles, um mit seinem Performance-Kopfhörer zukünftig auch die kabellose Freiheit zu genießen.

Aber nur Musik zu empfangen , wäre irgendwie zu simpel. Also spendiert Ultrasone dem kleinen Adapter auch noch ein Mikrofon, um Telefonate führen zu können, wenn die Musik vom Handy kommt. Geht ein Anruf ein, kann man entweder zur Gesprächsannahme ganz klassisch das Handy aus der Tasche kramen oder man drückt einfach Sirius` kleinen Power-Knopf. Die Verbindung steht augenblicklich.

Beide Teilnehmer verstehen sich klar und deutlich, dass einzige Problem ist die eigene Stimme. Diese wird durch den Kopfhörer nur gedämpft übertragen. Eine Weiterleitung der eigenen gesprochenen Worte an die Schallwandler erfolgt nämlich nicht. Wer also ohnehin dazu neigt, beim Telefonieren seine nähere Umgebung mit in private Gespräche einzubeziehen, dem gelingt das jetzt auch über noch größere Entfernung.

Sirius` wenige Knöpfe sind mehrfach belegt. Der Power-Button sorgt – wie es der Name schon sagt – für Saft auf dem Kopfhörer. Längeres Drücken stellt erstmalig völlig unkompliziert eine Bluetooth Verbindung her, beim Musikhören pausiert der Knopf den gerade gespielten Song. Neckisch dabei ist eine kurze Aus- und Einblendung des laufenden Liedes. Zweimaliges Drücken wiederholt die letzte Rufnummer.

Die miteinander verbundenen Plus- und Minustasten regulieren die Lautstärke oder springen bei längeren Druck zum nächsten oder letzten Titel. Alle Buttons sind so perfekt angeordnet, dass man mit dem Daumen sofort weiß, welche Taste man drückt und welche Funktion damit aktiviert wird. Der Druckpunkt ist fest und passt somit zum guten Gesamteindruck.

Hat man noch keinen Perfomance-Kopfhörer, erhält man trotz Sirius und Bluetooth zusätzlich zwei weitere Kabel. Und offenbar hat man bei Ultrasone gut zugehört. Denn das hier noch beim Test des Performance 820 aufgrund seiner nicht vorhandenen Länge und des mangelnden Durchschnitts bemängelte Kabel ist passé. Stattdessen liefert man nun ein drei Meter langes Kabel mit wahlweise 3,5 oder 6,3 Millimeter Klinke für den Gebrauch an der heimischen Anlage. Und wem wider Erwarten der Sirius-Saft ausgeht, klemmt einfach das 1,2 Meter lange Kabel mit Mikrofon und Fernbedienung zwischen Handy und Kopfhörer.

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Wir erwähnten es oben bereits – um in den vollen Genuss weitestgehend unkomprimierter Musik zu kommen, beherrscht Sirius den aptX Algorithmus. Dieser macht es möglich, große Mengen an Stereo-Daten von einem Gerät an das andere zu senden. Beim „normalen“ Bluetooth werden die Daten meist so weit komprimiert, dass viele Informationen einfach verloren gehen. Das mag zum Telefonieren reichen, aber bei Musik ist dieser Datenverlust hörbar. Von daher war Bluetooth auch nie zur Übertragung komplexer Stereo-Daten gedacht.

Beim Sender komprimiert aptX die Daten also und entpackt sie wieder beim Empfänger. So kommt der bestmögliche Klang zustande. Aber Voraussetzung dafür ist, dass in unserem Fall nicht nur Sirius aptX beherrscht, sondern auch der Player. Ein TV stellt auch kein 4K dar, wenn er nicht mit Ultra-HD gefüttert wird. Da unser iPhone den aptX Standard nicht erfüllt, haben wir uns zum Test eben ein Galaxy S8 organisiert.

Die beste Übertragung nutzt nichts, wenn der Kopfhörer nicht in der Lage ist, diesen Klang zu verarbeiten und darzustellen. Aus genau diesem Grund spendiert Ultrasone der Performance Serie Sirius, statt einen vollkommen neuen Kopfhörer zu entwickeln. Warum etwas anders machen, wenn es bereits gut ist?

Der Ultrasone Performance 860 ist ein das Ohr umschließender Kopfhörer. Somit darf es im Inneren gerne laut zugehen, ohne dass der Sitznachbar im Bus sich belästigt fühlt. Für einen großartigen Tragekomfort sorgen das geringe Gewicht von nur 274 Gramm, die wunderbar großen und weichen Protein-Leder Muscheln und das weiche Polster des Kopfbügels. Das Raster für die Größenverstellung arbeitet sauber und in Verbindung mit dem biegsamen Kopfbügel können somit selbst große Köpfe stundenlang Musik genießen.

Die Optik als nur gelungen zu bezeichnen, wird dem 860 nicht wirklich gerecht. Den Kopfbügel ziert ein Aluminium-Inlay mit gelasertem Ultrasone-Schriftzug. Zweifarbige, in matter Optik gehaltene Ohrmuscheln, eingefasst von einem hochglänzenden Ring, sorgen beim unbedarften Beobachter für mehr als nur den ersten Blick. Unaufdringlich und dennoch auffällig.

Der Clou eines jeden Ultrasone Kopfhörers ist jedoch die dezentrale Anordnung der Schallwandler. Durch diesen technischen Kniff – S-Logic Plus Technologie genannt – nutzt man die natürliche Form des menschlichen Ohrs und sorgt für eine Räumlichkeit beim Hören, die immer wieder verblüfft. Nicht nur, dass die Bühne vor dem Hörer sehr breit erscheint, zusätzlich wird eine Tiefe vermittelt die den Eindruck erweckt, dass das Schlagzeug tatsächlich hinter dem Leadsänger steht.

Für eine Klangwiedergabe, die sowohl den Musikliebhaber als auch den Gelegenheitshörer mitnimmt, sorgen vergoldete 40 Millimeter Treiber mit PET-Membran. Diese bieten einen Frequenzbereich von 10 -28.000Hz und eine Impedanz von 32 Ohm.

Da sich dieser Test auf Sirius beziehen sollte, haben wir zum Vergleich identische Musikstücke über den Bluetooth Adapter und kabelgebunden vom Receiver gehört. Wir wollten überprüfen, ob sich merkliche bzw. hörbare Unterschiede in der Klangqualität bemerkbar machen? Aber um hier schon abzubrechen: Sollte es Unterschiede geben, so werden diese dem normalen Ohr nicht auffallen. Sowohl über Bluetooth, als auch über das Kabel spielt der Performance 860 authentisch auf.

Wir haben uns durch zahlreiche Stücke gespielt und sind selbst nach stundenlangem Hören noch immer von der sowohl breiten, als auch tiefen Bühne und dem wunderbar ausbalancierten Stereo-Klangbild beeindruckt. Sei es das wunderbare Tusk and Bone von Shaman`s Harvest, bei dem zwei klassische Gitarren den Song einleiten, um im Finale von einer E-Gitarre begleitet zu werden oder der brachiale Metal-Sound von Deafheaven im Song Brought to the Water, bei dem die Stimme von Sänger George Clarke Ausmaße erreicht, die auf Dauer den Stimmbändern abträglich sein müssen.

Aber egal welchen Stil man persönlich bevorzugt, Sirius bringt kabellos genau das an das Ohr, was man auch über das Kabel erwartet: Ein stets begleitender und nie dominierender Bass und perfekt ausbalancierte Mitten und Höhen, eben eine Lebendigkeit von Musik mit einem Detailreichtum, der – wenn man in der Lage ist, Musik wirklich zu genießen – bei vielen Stücken eine Gänsehaut verursacht.

Fazit:

Ultrasone hat mit Sirius ein geniales kleines Zubehör entwickelt, welches eine ohnehin schon großartige Kopfhörer Serie noch einmal aufwertet. Statt seinen Performance nur zu Hause am Receiver zu verwenden oder sich unterwegs über Kabelsalat in der Jackentasche zu ärgern, schafft Sirius die Freiheit, Musik wo auch immer kabellos in bestmöglicher Qualität zu genießen.

Ist man bereits im Besitz eines Kopfhörers der Performance Reihe, sollte man diesen um Sirius erweitern. Wer bisher noch keinen Kontakt mit Ultrasone hatte, bekommt nun einen weiteren Grund geboten, sich mit Kopfhörern made in Oberbayern zu beschäftigen.

Link zur Herstellerseite: Ultrasone Sirius

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