Hardwaretest: Razer Kraken Pro V2 – Panzer von hinten

Egal, ob neben deinem Ohr eine Schusswaffe abgefeuert, dein virtueller Körper von Massen kreischender, fleischfressender Spinnen angefallen, oder ein riesiger Haufen Dynamit neben dir zum Explodieren gebracht wird, du bist immer eines: Mitten im Geschehen.

Was hab ich mich gefreut, als endlich der Kraken Pro vor mir auf meinem Schreibtisch stand. Wie man das von RAZER gewohnt ist, wird der Kopfhörer erst einmal wahnsinnig gut präsentiert: Schon beim Öffnen des Kartons fällt auf, wie viel Mühe darauf verwendet wird, dem Kunden einen perfekten ersten Eindruck vom Produkt zu vermitteln.

An alle die das Unternehmen noch nicht kennen: RAZER ist ein kalifornischer Konzern, der Ende des 20. Jahrhunderts gegründet wurde und sich auf Gaming-Equipment spezialisiert hat. Dort gibt man den Produkten gerne Namen von Raubtieren, was sie meines Erachtens noch ein kleines Stück cooler macht. Profi-Gamer auf der ganzen Welt nutzen das ausgezeichnete Equipment.

Als ich den Kopfhörer dann das erste Mal aus der Verpackung holte, könnte man schon fast von Liebe auf den ersten Blick zwischen mir und dem Kraken Pro sprechen. Das Headset ist wohl mit das coolste, was ich je in meinen Händen gehalten habe. Es verkörpert eine Mischung aus einem wirklich einfarbig-schlichten, aber auch unglaublich stylischen Design.

Besonders gut hat mir beim ersten Begutachten der schwarze RAZER-Schriftzug gefallen, der auf der Oberseite des ebenfalls schwarzen Kopfbügels prangt, da er sich nur durch eine intensivere Spiegelung des Lichts vom sonstigen Kunststoff abhebt. Auf den geradezu gigantischen Muscheln prangt ebenfalls jeweils ganz dezent das Logo von RAZER, welches man auch auf allen anderen Modellen der Kraken-Serie findet.

Der Kopfhörer an sich ist zu einem sehr großen Teil aus Kunststoff gefertigt. Der Kopfbügel ist robust, lässt sich aber auch erstaunlich weit biegen, weshalb ich mir nicht vorstellen kann, dass er bei einigermaßen anständiger Behandlung durchbrechen oder Beschädigungen davon tragen könnte, weshalb er sich auch sehr gut für den Transport eignet. Auch das Mikrofon, kann man ganz einfach in die linke Muschel einstecken und wieder entfernen, was es schlicht unmöglich macht, es auf Reisen zu beschädigen.

Die Ohrmuscheln sind stabil gebaut und an der Innenseite mit Schaumgummi gepolstert, das nicht nur angenehm auf den Ohren sitzt, sondern auch gut gegen Schall von außen isoliert. Das Kabel, dessen Ursprungspunkt an der Unterseite der linken Muschel liegt, ist von einem hochwertig erscheinendem Gewebemantel umgeben, welcher in einen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss mündet.

Durch einen mitgelieferten Adapter kann dieser aber auch ganz einfach in einen Splitter-Anschluss umgewandelt werden. Das Kabel hat eine Gesamtlänge von 1,3 – 2,0 Metern, je nachdem, ob man den Splitteradapter angeschlossen hat. Für mich war eine derartige Länge immer ausreichend, kritisch wird es dann, wenn man sich auf dem Sofa zurücklehnen und die Kopfhörer an den Fernseher anschließen will.

Am Kabel selbst befindet sich zu meiner Freude eine Inline-Fernbedienung integriert, an der man sowohl die Lautstärke verstellen, als auch das Mikro stummschalten kann. Diese beiden Features sind wirklich praktisch, auch wenn das kleine Lautstärke-Rädchen eine etwas zu hohe Sensitivität hat. Auch passiert es leider öfter, dass sich diese Fernbedienung an meinem Shirt reibt, was in manchen Fällen dazu führt, dass die Lautstärke unbeabsichtigt verändert wird. Teilweise war das sehr nervig, wenn von einem Moment auf den Nächsten kein Ton mehr da ist.

Das Gesamtpaket fühlt sich mit 322 Gramm eher leicht an, was aber auch dem Umstand zu verdanken sein kann, dass das Gewicht perfekt vom Kopfbügel abgefangen wird. Dieser ist zwar nicht ganz so groß, lässt sich aber links und rechts jeweils um 4 Zentimeter in der Länge verstellen, womit jedermanns Ansprüchen genüge getan sein sollte.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gespannt ich war, als ich die Kopfhörer das erste Mal an den Controller meiner PS4 angeschlossen habe. Getestet wurde der Kraken Pro mit Battlefield 1. Und ich muss sagen, der Sound schlägt wortwörtlich ein wie eine Bombe. Nicht nur, dass sich alle Geräusche gleich viel gewaltiger, geradezu gigantisch anhören, auch hatte ich direkt das Gefühl, wirklich mittendrin zu sein.

Ich hätte es kaum für möglich gehalten, wie viel mehr Spaß es macht, mit einem Surround-Sound-Gaming-Headset zu zocken. Es ist etwas total anderes, wenn plötzlich ein Reiter von der Seite angaloppiert kommt oder ein Panzer droht dich frontal über den Haufen zu fahren und du genau hörst, wo sich Reiter oder Panzer gerade befinden. Auch die ständigen Granaten- und Bombeneinschläge wirken dadurch, dass die Explosionen nicht nur auf einem Flachbildschirm, sondern auch in meinem Ohr stattfanden, außergewöhnlich echt.

Aber bringt ein Surround-Sound-Headset nun wirklich Vorteile beim Spielen? Gab es Situationen, in denen ich das Gefühl hatte nur wegen diese Headsets überlebt oder einen Kill erzielt zu haben? Niemals hätte ich jemandem geglaubt, der mir auf diese Fragen mit Ja geantwortet hätte, aber nachdem ich selbst mit dem Kraken gespielt hatte, muss ich diesem imaginären Jemand recht geben.

Innerhalb von 4 Runden Battlefield hat mir dieses Headset ganze 2 Mal das virtuelle Leben gerettet. Das ist zwar im Bezug auf meine K/D nicht besonders viel, aber immer noch mehr als ich jemals gedacht hätte.

Ich selbst bin Besitzer eines PlayStation-VR-Systems und das führt mich auch schon zu meinem nächsten, etwas bedauernswerten Punkt. Nachdem ich ein paar Runden Battlefield gespielt hatte, stellte ich mir die Frage, wie es wohl wäre, mit diesen Kopfhörern in VR zu spielen.

Ein visuelles 360°-Erlebnis, gepaart, mit großartigem Surround-Sound sollte doch eigentlich der beste Weg sein, in eine Virtuelle Realität einzutauchen, oder?

Zu meinem großen Bedauern, ist es leider nicht möglich, das Kraken-Headset zur gleichen Zeit wie die PS-VR-Brille zu tragen, da der Kopfbügel so weit auseinander gebogen wird, dass die Lautsprecher kaum noch die Ohren berühren. VR und Kraken gemeinsam funktionieren also nur äußerst eingeschränkt bis überhaupt nicht.

Einige von euch wollen sicher mit dem Kopfhörer nicht nur Zocken, sondern auch Musik hören.

Im Großen und Ganzen bin ich auch in diesem Punkt mit dem Kraken Pro zufrieden. Ich habe ihn einerseits an sehr kraftvollen Stücken wie Centuries von Fall Out Boy, Fuego von Alok und Bhaskar und AnyTime von Don Diablo, andererseits aber auch an z.B. einer modern aufgelegten Version vom Antonio Vivaldis Winter von den Symphoniacs getestet, um ein sehr breites Spektrum von Musikstilen von diesem Kopfhörer präsentiert zu bekommen.

Und ich muss sagen, alle Stücke wurden für ein Gaming-Headset ansprechend wiedergegeben. Die Mitten klingen klar, der Bass ist – wie man das von Gaming-Headsets kennt – schön hochgeschraubt, nur um die Höhen hätte man sich etwas mehr kümmern sollen. Manche Stücke klingen leicht dumpf, aber im Großen und Ganzen schneidet der Kraken auch an dieser Stelle gut ab.

Wer auch gerne unterwegs Musik hört, sollte aber wirklich wissen, woran er bei diesem Kopfhörer ist, denn er ist – vorsichtig gesagt – voluminös. Für meinen Geschmack ist er einfach zu groß, um ihn auf der Straße zu tragen.

Fazit:

Mich hat der Kopfhörer förmlich umgehauen. Das beginnt beim Klang, geht weiter über Design und Tragekomfort  und endet bei der einwandfreien Verarbeitung. Auf dem Gaming-Headset-Markt, auf dem es unüberschaubar viele Produkte gibt, sticht der Kraken Pro eindeutig hervor.

Leichte Abzüge gibt es wegen der Inkompatibilität mit dem PS-VR-System, den etwas schwachen Höhen in Sachen Musik und dem Umstand, dass Menschen mit kleineren Köpfen auf der Straße aussehen, als würden sie eine Surround-Sound-Anlage auf dem Kopf tragen.

Wenn man den Kraken Pro aber nicht als alltäglichen Kopfhörer auch für den Musikgenuss, sondern als pures Gaming-Headset betrachtet, ist er geradezu makellos. Der Kraken Pro ist ein Must-Have für jeden Gamer und eines dieser Produkte, die ich jederzeit wieder kaufen würde.

Link zur Herstellerseite: Razer Kraken Pro V2

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Beitrag: Constantin Ritter

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