Hardwaretest: nubert nuPro AS-450 – der Soundbrocken unter den Soundbars

Vor einigen Tagen bekamen wir eine Mail, ob wir die neue Nubert nuPro AS-450 testen wollen? Es gibt Fragen, die stellen sich eigentlich gar nicht. Klar wollen wir. Den so hoch gelobten Testsieger so vieler Leserwahlen hätten wir vielleicht auch persönlich abgeholt. Allerdings sind wir dann bei dem Gewicht doch ganz froh, dass es Paketdienste gibt.

Nubert baut seit über vierzig Jahren nicht nur Lautsprecher und HiFi-Produkte im eigentlichen Sinn. Man selbst spricht dort von ehrlichen Lautsprechern – also Geräte die den Sound mit höchster Klangtreue so transportieren, wie er ursprünglich das Studio verlassen hat. Dazu kommt ein heute nicht mehr selbstverständlicher Service, denn wo anders und besser als zu Hause kann man Lautsprecher testen? Nubert stellt daher alle Geräte für 30 Tage in der heimischen Umgebung an der eigenen Anlage zum Test bereit.
Heimspiel neu definiert!

Dass  aufgrund der soliden Bauweise bei der Aufstellung der nuPro AS-450 doch besser zwei Personen zupacken sollten, ist als freundlicher Hinweis in der Aufbauanleitung nett, aber eigentlich überflüssig. Denn hier verteilen sich stattliche 32 Kilogramm auf das für eine Soundbar schon gigantische Maß von 110 x 19,5 x 40 Zentimetern. Man sollte sich also vorher bewusst sein, was man sich da unter den Flachbildschirm oder ins Regal stellt.

Wir waren es nicht wirklich, denn bisher passte jede Soundbar locker vor den TV. Und so musste der Panasonic TX-58EXW734 von seinem breiten Stand erst einmal auf Füße nach innen umgebaut werden. Die nuPro passte weder von der Tiefe aufs Regal, noch ließ die Höhe ein halbwegs sichtbares Bild bei Aufstellung vor dem TV zu. Es blieb also nur, den TV auf dem Soundbrocken zu platzieren. Aber die anfängliche Sorge, der AS-450 könnte dabei etwas passieren, ist unbegründet. Eine angegebene Tragkraft von 100 Kilogramm stemmt selbst den klobigsten 65 Zoll Bildschirm locker.

Nach so viel Schweiß kommt dann das Staunen. Denn steht die nuPro AS-450 erst einmal an ihrem Platz, wird man sich der wahren Größe bewusst – allein schon deswegen, weil die Oberkante des TV-Bildes jetzt vom Sofa aus in kinoartige Höhen ragt. Die Definition schlichte Eleganz ist wahrscheinlich eigens für Technik wie diese Soundbar geschaffen worden. Ein Gerät ohne jegliche Schnörkel, beschränkt auf das absolut Wesentliche.

Die Front zieren sechs Chassis mit je zwei 25 Millimeter Hochtönern und vier 120 Millimeter Mittel/Tieftönern. Ein feines Detail ist das eigene Logo auf jedem Rahmen! Dabei erfindet sich Nubert nicht neu, sondern verwendet bei allen Teilen solche, die sich bereits in anderen Geräten bewährt haben. Als Nennleistung kommen hier 80 Watt pro Stereokanal an. Und richtig gelesen, die nuPro AS-450 ist ein pures Stereo-Gerät, obwohl der digitale Signalprozessor zu mehr in der Lage wäre. Aber auch das ist Firmenphilosophie – man ist überzeugt, dass der reine Stereoton einem künstlich erzeugten virtuellen Raumklang überlegen ist.

Das Problem zu vieler Boxen ist die Basswiedergabe. Sowohl ungezählte Lautsprecher als auch Kopfhörer setzen auf massiven Bass, der den eigentlichen Klang bei Musik dann deutlich in den Hintergrund schiebt und im schlimmsten Fall einfach nur dröhnt, statt den Song zu begleiten. Nicht so bei der nuPro AS-450. Der hier im Boden verbaute 27 Zentimeter Tieftöner – unterstützt von zwei seitlichen Bassreflex-Öffnungen – übertrifft alles, was wir bisher in ähnlichen Geräten hören durften. Nubert gibt für die Endstufe 300 Watt an. Das ist mehr, als manch gesondert aufgestellter Subwoofer zu leisten vermag. Die vier fest montierten Gummifüße entkoppeln dabei einwandfrei. Bassdruck wird nicht auf das darunter liegende Möbelstück übertragen. Auch wenn es einen Anschluss für einen zusätzlichen Subwoofer gibt, nötig ist der nicht.

Neben diesem Zugang gibt sich die AS-450 in Sachen Anschlüsse recht spartanisch. Stereocinch, Toslink, S/PDIF, Link und USB sind alles, was man vorfindet. Auch wenn der Cinch-Eingang auf den ersten Blick sehr analog wirkt, wandelt der Signalprozessor das Signal digital um. Zum Inhalt des Kartons gehören natürlich alle benötigten Kabel. Einen HDMI-Eingang sucht man aber ebenso vergeblich wie die kabellose Möglichkeit, Musik per Bluetooth an die nuPro zu bringen. Nubert bietet dafür aber optional erhältliche Adapter an, die Film- und Streamingfans nutzen können.

Ebenso spartanisch wie die Rückseite gibt sich das klassische Display in der Front. Eine Menü- sowie vier Pfeiltasten reichen aus, um den von Hause aus hervorragenden Klang der nuPro noch einmal den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Dazu gehört eine ebenso übersichtliche, gummierte Fernbedienung, die mit wenigen Einstellungen den Klang anpassen kann.

Zum Test der nuPro AS-450 haben wir uns drei Songs aus unserer Hard & Heavy bzw. Alternative Sammlung herausgesucht, die unserer Meinung die Fähigkeiten der Soundbar besonders gut darstellen. Denn über Musik und Klang schreiben kann jeder. Das nützt aber dem Leser eines Beitrages nichts, wenn er nicht zumindest in Ansätzen etwas mit dem Song anfangen kann. Von daher haben wir auch die entsprechenden Youtube-Links zum Stück hier im Test untergebracht, um unsere Wahl zu verdeutlichen.

Der unserer Meinung nach ultimative Song zum Test eines Tieftöners ist und bleibt Birth von 30 Seconds to Mars. Denn hier fordert das Keyboard dem Soundbarren (im Video ab Minute 1:33) alles ab. Auch wenn das Album bereits 2013 auf den Markt kam und sich Jared Leto inzwischen eher der Schauspielerei widmet, so findet Love Lust Faith + Dreams immer wieder seinen Weg in den Player. Nicht umsonst wird die Band seit Gründung regelmäßig mit Ehrungen und Preisen für jedes der drei Alben regelrecht überschüttet.

Der ungewöhnlich andere Song ist Voodoo von Godsmack. Hier steht die in diesem Stück eher sonore Stimme von Sänger Sully Erna klar im Vordergrund, während einzig das Schlagzeug für einen ungewohnten Takt sorgt. Die Melodie kommt vom Bass, während die E-Gitarre tatsächlich bloß den immer gleichen Refrain spielt. Vertauschte Rollen also. Auch hier transportiert die nuPro sämtliche Instrumente sauber getrennt und klar definierbar an das Ohr des Hörers.

Ein weiterer nicht alltäglicher Song ist Chop Suey von System Of A Down, den die Mischung von Metal und Rap bis heute auszeichnet. Markant sind hier die steten Wechsel zwischen harten Akkorden und den instrumentalen Pausen, einzig unterbrochen von Sänger Serj Tankian. Ein durch und durch genialer Song, dessen Stärke die Tempoverschärfungen zwischen stillen Passagen und fast schon brutalem Metal sind. Die nuPro baut hier eine herrliche Bühne auf, in der alle Instrumente voll zur Geltung kommen.

Musik genießt man immer noch am Besten in Stereo. Jedoch versuchen selbst mittelprächtige Flachbildschirme heute, Raumklang zu präsentieren. Dass das aufgrund mangelnden Volumens der verbauten flachen Boxen so gut wie unmöglich ist, dürfte jedem Heimkinofan klar sein. Also ersetzen wir dünne TV-Boxen durch den nuPro-Klang  und genießen Suicide Squad, sofern man bei der schlechtesten aller bisherigen DC-Comic-Verfilmungen von genießen sprechen kann.

Die flache Handlung wird als DC Comic-Fan einzig durch die Darstellung von Jared Leto und Margot Robbie als Joker und Harley Quinn erträglich. Aber es ist wie so oft: Was ein Film an Story nicht aufzubieten hat, versucht er mit gewaltigen Effekten in Bild und Sound zu kompensieren. Die nuPro rettet hier, was eigentlich kaum noch zu retten ist. Es ist unglaublich, was dieses Board in Stereo ans Ohr bringt, was manche Soundbar nicht mit virtuellem Raumklang zu leisten vermag.

Die AS-450 erschafft vor dem Zuschauer eine herrlich breite Bühne und nimmt ihn dann doch mit ins Geschehen. Da sind es einerseits die umfangreichen Schießereien, in denen Kugeln zwar nicht akustisch durch das Zimmer rauschen, aber doch ganz dicht vor dem Gesicht und andererseits die zahlreichen Effekte in denen der Bass zeigen darf, was in ihm steckt. Man muss sich eben nur bei den Pegeln ein wenig zusammenreißen, um es sich mit den lieben Nachbarn nicht zu verscherzen.

Sind Musik- und Heimkinofans mit der nuPro AS-450 glücklich, ist es auch der Videospieler. Und der ist auf der Nintendo Switch gleich noch viel glücklicher, weil die Tintenfische zurück sind. Kaum ein Spiel überzeugte mit einem dermaßen neuen Konzept so auf Anhieb, wie es Splatoon auf der Wii U tat. Und nun kleckst man sich virtuell erneut von oben bis unten mit frischer Farbe voll. Nie war Sauerei mit Tinte bunter.

Klar, dass die nuPro AS-450 mit einem Spiel wie Splatoon 2 vollkommen unterfordert ist, aber die Soundeffekte dieses Spiels allein sind es wert, über eine so geniale Soundbar gehört zu werden. Überall spritzt Farbe auf Wände und Boden, große und kleine Blasen zerplatzen ununterbrochen und Farbroller kullern über unvorsichtige Gegner. Dieses Spiel ist nicht nur spielerisch wieder einer der Titel, die man unbedingt haben muss, auch Optik und Sound sorgen für spannende Hektik auf dem Monitor. Hier ist flüssiger Spielverlauf nicht nur eine Phrase, sondern im wahrsten Sinne des Wortes Programm. Und die nuPro trägt ihren Teil dazu bei.

Fazit:

Die nuPro AS-450 hält das, was wir uns von unserem ersten Nubert Test erhofft haben – eine Soundbar, die man eben nicht an jeder Ecke findet. Es ist faszinierend, was man bei reinem Stereo-Sound alles heraushören kann. Der Bass ist so gewaltig, ohne aufdringlich zu sein, Mitten und Höhen leisten mehr, als der durchschnittliche Zuhörer wahrscheinlich wahrzunehmen in der Lage ist.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man Musik-, Heimkino- oder Videospielfan ist. Die nuPro zaubert allen ein Grinsen ins Gesicht, akustisch wie optisch. Wer auf der Suche nach ehrlichem Klang ist, wird mit der Nubert Soundbar ganz sicher glücklich.

Link zur Herstellerseite: nuPro AS-450

weitere Hardwaretests:

 

 

 

 

Foto Titel: Nubert

 

 

Hier bitte einen Kommentar verfassen