Hardwaretest: Garmin Vivofit – Fitnessarmband für Unsportliche

Ein sich hartnäckig haltendes Klischee besagt, dass PC- und Videospieler durch übermäßigen Fastfood-Konsum vor der Konsole und viel zu wenig Bewegung durch überlange Spielesessions alle fett sind. Das gilt allerdings für die arbeitende Bevölkerung in Bürojobs gleichermaßen. Doch nun gibt es endlich Hilfe für alle, die tagsüber einfach vergessen aufzustehen.

Ein aktueller Trend unter vielen heißt Fitnessarmband. Wenn schon Hampelspiele an Kinect und Wii oder der antreibende Chef nicht dafür sorgen, sich ausreichend zu bewegen, dann muss man sich eben vom unbestechlichen roten Balken seines Vivofit auf die Füße helfen lassen.

Garmin ist Vorreiter in Sachen Navigationssysteme zum Biken und Wandern, Pulsuhren zum Laufen und Joggen, Schwimmuhren, die die gekraulten Bahnen zählen, Golfuhren, die die Entfernung und Höhenunterschiede zum nächsten Loch messen und nun eben auch Fitness mit dem Vivofit. Was auf den ersten Blick spannend aussieht, entpuppt sich auf den zweiten als simpler Schrittzähler mit Zusatzfunktionen. Und noch etwas fällt sofort auf. Während alle anderen Garmin Geräte über GPS verfügen, muss das Fitnessarmband ohne auskommen.

vivofit_01_konsolenfan

Typisch Garmin ist der Packungsinhalt spartanisch. Geliefert wird das Vivofit mit zwei Armbändern in unterschiedlicher Größe sowie einem ANT+ USB-Stick(chen), Hilfe über Funktionsumfang und ähnliches in zumindest rudimentär gedruckter Form sucht man vergebens. Einzig ein mit „WICHTIG“ markiertes Blättchen weist den Weg ins allwissende Internet. Also schnell das Vivofit in das passende Armband gepfriemelt, den ANT+ in den PC gesteckt und schon steht ausgiebigem Schritt- und Kalorienzählen nichts mehr entgegen.

schrittdetails

Anfänger in Sachen Garmin legen sich ein neues Konto an und brauchen einen Moment, um sich auf der Garmin Website zurecht zu finden. Hat man aber den Bereich „Gesundheit und Fitness“ ausfindig gemacht, stürzt man sich begeistert in die vielen Möglichkeiten, die das Vivofit bietet. Als erstes kümmert man sich um die Geräteeinstellungen. Die Funktionen Schritte und Uhrzeit zeigt das Armband immer an, optional kann das Tagesziel Schritte, die Distanz und Kalorien sowie Datum und Uhrzeit angezeigt bzw. ausgeblendet werden. Besitzer eines Brustgurts lassen sich bei Bedarf auch ihre Herzfrequenz anzeigen. Die wichtigste Anzeige ist jedoch ein roter Balken, der langfristige Inaktivität signalisiert. Alle 15 Minuten kommt hier ein Segment dazu, das den Vivofit-Träger warnt, sich nun endlich wieder einmal zu bewegen.

Auf dem Vivofit selbst sind alle Anzeigen zumindest bei ausreichenden Lichtverhältnissen deutlich lesbar. Das Gerät funktioniert mit E-Ink-Technologie wie aktuelle eBook-Reader und verwendet demnach keine Hintergrundbeleuchtung. Dadurch wird laut Garmin eine Batterielaufzeit von über einem Jahr erreicht. Kommt jedoch ein Brustgurt hinzu, geht dieser Wert selbstverständlich nach unten. Aber die beiden Knopfzellen lassen sich simpel austauschen.

schrittdetails_02

Ist das Vivofit zumindest schon einmal eine Armbanduhr, sind die wichtigsten Funktionen jedoch die gemachten Schritte und das individuelle, zu erreichende Tagesziel. Ich habe mir hier 10.000 Schritte eingestellt, die ich allein durch den Hund täglich locker erreichen sollte. Aber hier hatte ich das erste Problem: Der Hund läuft links, demnach halte ich die Leine links. Somit pendelt der Arm also nicht beim Gehen und folglich werden keine Schritte gezählt. Ich bin entgegen meiner Gewohnheit nun Rechtsträger. Und ja, selbstverständlich lässt sich auch das Vivofit mit simulierten Schritten überlisten, wenn man im Sitzen den Arm pendeln lässt. Aber was wäre dann der Zweck eines solchen Armbandes? Was sich allerdings nicht verhindern lässt sind Aufzeichnungen von Tätigkeiten, die eigentlich keine Schritte sind. Dennoch gleicht sich dies im Laufe eines Tages mit den tatsächlich absolvierten Schritten sicherlich annähernd wieder an.

vivofit_02_konsolenfan

Uns so läuft man, synchronisiert Daten und … beginnt sich zu wundern. Zumindest was den Kalorienverbrauch und die zurückgelegten Strecken angeht. Denn beides sind offensichtlich Schätzwerte. Ich habe zum Vergleich meinen Garmin Edge 810 mit mir herum getragen und die gemachten Kilometer verglichen. Das Vivofit zeigt hier grundsätzlich zu viel an. Ebenfalls erstaunlich der im Vergleich zu einer ausgiebigen MTB-Tour viel zu hohe Kalorienverbrauch des Armbandes. Die Kalorien werden aufgrund der hinterlegten Daten von Alter und Gewicht sowie der gemachten Schritte ermittelt. Und wie bitte kommen am Morgen schon 568 Kalorien zustande, wenn ich das Armband über Nacht abgelegt habe? Zwar kann das Vivofit den Schlaf analysieren und zeichnet Bewegungen auf, aber ich bezweifle, im Laufe der Nacht sportlich aktiv zu sein. Und apropos sportliche Aktivitäten, denn Radfahren zeichnet das Gerät logischerweise nicht auf. Erstens fehlt ihm der GPS-Empfänger und zweitens die lauftypische Pendelbewegung des Arms.

stats

Hat man genügend Schritte absolviert, möchte man diese Daten logischerweise auch am PC sehen. Durch längeren Druck auf den einzigen Knopf geht das Vivofit in die Synchronisation und nun wird es spannend. Denn offensichtlich ist Garmin noch immer am Aufbau der neuen Seite. Mal funktioniert die Erkennung aller Daten auf Anhieb, mal möchte der ANT+ Stick neu angemeldet werden und mal wird die Synchronisation mit einer Fehlermeldung einfach abgebrochen, obwohl der Stick noch immer im PC steckt. Hier muss Garmin im Bereich Vivofit noch reichlich nachlegen, denn die Daten für gefahrene MTB-Touren sind einwandfrei. Verfügbar ist auch eine App, die allerdings nur mit den aktuellsten Smartphones funktioniert.

Fazit:

Ich trage üblicherweise keinerlei Dinge am Handgelenk, aber das Vivofit als Uhr mit dickem Balken als Bewegungsmotivator kann das vielleicht ändern. Ich fahre regelmäßig Mountainbike und bin täglich mit meinem Hund unterwegs, habe also dadurch reichlich Bewegung. Damit gehöre ich eigentlich nicht zur Zielgruppe des Schrittzählers. Ein technisches Schmankerl ist das Vivofit aber allemal, auch wenn Schritte und Distanz eher großzügig bemessen sind.

Das Armband ist mit 26 Gramm sehr leicht und obendrein noch recht stylisch. Ärgerlich ist noch die Qualität der Garmin-Connect Website bzw. technische Unzulänglichkeiten bei der Synchronisation. Dennoch motiviert der regelmäßige Blick auf die eigenen Daten und virtuellen Auszeichnungen, seine Leistung stetig zu verbessern. Ob das auch langfristig funktioniert, wird sich zeigen. Und auch eine halbwegs vernünftige, gedruckte Anleitung vermisse ich.

Wer viel sitzt und darüber hinaus die Zeit vergisst, für den ist das Vivofit mit Sicherheit eine lohnende Investition. Auch wenn ein Vibrationsalarm fehlt, so mahnt doch der rote Balken unübersehbar, sich zu bewegen. Statt eine Mail zu schreiben, kann man den Kollegen persönlich aufsuchen. Das fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch die sozialen Kontakte.

testurteil_3

Link zur Herstellerseite: Garmin Vivofit >>>

weitere Hardwaretests:

hardware_icon

 

 

 

 

 

Hier bitte einen Kommentar verfassen