Hardwaretest: Fossil Q Founder – das Handy am Handgelenk

Seit Apple die erste massenmarkttaugliche Smartwatch präsentierte, explodiert der Markt. Kein Hersteller, der neben seinem aktuellen Smartphone nicht auch eine dazugehörige Uhr im Portfolio hat. Dazu kommen unzählige weitere bekannte, sowie noch mehr asiatische Anbieter, die mit Modellen in allen Formen, Farben und Variationen den Markt fluten. Und auch Hersteller, die bisher eher wenig in diesem Bereich gewildert haben, versuchen nun Fuß zu fassen. Einer davon ist der Modedesigner Fossil.

Fossil war bisher bekannt für außergewöhnlichen Schmuck, legt aber seit einiger Zeit sein Hauptaugenmerk in Richtung stylischer Uhren. Von zierlich bis klobig, von unauffällig bis protzig wird dabei das komplette Sortiment bedient. Und relativ neu dabei sind nun eben auch Smartwatches.

Obwohl es inzwischen mit der Fossil Q Marshal den Nachfolger gibt, haben wir uns aufgrund der massiven Preissenkung auf unter 200,- Euro für die Q Founder entschieden. Die Unterschiede sind unseres Erachtens noch zu marginal, als dass sich das aktuelle Modell lohnen würde.

Im Bereich Smartwatches sind wir absolute Anfänger und damit stehen wir nicht allein. Es erschien uns bisher witzlos, eine zusätzliche Handy-Verlängerung am Handgelenk zu tragen. Und dennoch haben uns das Design, die Funktionen und die wechselbaren Zifferblätter überzeugt. Warum also nicht auch mal das etwas andere Gadget testen, zumal das Handy eben doch nicht immer griffbereit liegt? Laut Hersteller kommen schließlich alle Nachrichten auf der Uhr an, man verpasst nichts.

Die Verpackung ist typisch Fossil ein echter Hingucker. Schneeweiß und der Aufdruck der Uhr suggerieren dem Käufer, etwas Edles gekauft zu haben. Packungsinhalt sind die Uhr, ein Induktions-Uhrenständer zum Laden und eine minimalistische, mehrsprachige Schnellstartanleitung mit winziger Schrift. Hallo Fossil, nicht jeder Käufer ist unter 40 und hat Augen wie ein Luchs. Wer nun denkt, dass es online eine bessere Anleitung gibt, sieht sich leider getäuscht. Denn auch hier findet man nur die gleiche Schnellstartanleitung, die bereits in gedruckter Form vorliegt. Einziger Vorteil – die Schrift ist lesbar.

Die Uhr selbst hat eine Gehäusegröße von 47 Millimetern und wiegt knapp 72 Gramm. Optisch orientiert sich die Q Founder an den klassischen Uhren, die man auch in jedem Fossil-Store vorfindet. Aber Design ist immer abhängig vom persönlichen Geschmack. Was dem einem gefällt, kommt beim anderen gar nicht an. Uns sagt die Uhr optisch jedoch aufgrund ihrer unauffälligen Lässigkeit zu. Was jedoch auffällt ist, dass die Uhr aus zwei Teilen gefertigt zu sein scheint. Vielleicht ist Fossil nur für die Optik zuständig und lässt die Technik vorgefertigt woanders produzieren? Aber dies ist für uns zu vernachlässigen, so lange alles funktioniert.

Etwas kompliziert gestaltet sich die Ersteinrichtung der Uhr. Die Anleitung fordert bei unserem Galaxy S5 zum Download der Fossil Q App auf. Nach der Installation verwirrt aber die Meldung, dass das die falsche App zur Einrichtung ist und man möge sich bitte Android Wear auf das Smartphone laden. Nun gut, das hätte man geschickter lösen können, solange denn die Einrichtung auch für Anfänger problemlos vonstattengeht.

Tut sie aber leider nicht! Denn ist Android Wear auf dem Handy installiert, erscheint trotz aktivierter Bluetooth-Übertragung irgendwann die Meldung, dass keine Uhr gefunden werden kann. Man muss also explizit noch einmal in die Einstellungen des Handys, dort über die Bluetooth-Verbindungen die Uhr suchen und verbinden, um dann über Android Wear die Einrichtung vollziehen zu können.
Dies ist ein Punkt, an dem hier Unbedarfte gescheitert sind!

Abgefragt wird dann das persönliche Google-Konto und schon steht dem Spaß am Handgelenk nichts mehr im Wege – denkt man. Den ersten Dämpfer am neuen Spielzeug gab es über die Fossil Q App, bei der man sich die Uhr nach den persönlichen Wünschen mit einem Ziffernblatt ausstatten kann. Denn die App ist anfangs eine Katastrophe, eine Erläuterung dazu sucht man vergeblich. Also bleibt nur Try-and-Error, um erste kleine Erfolge zu erzielen.

Hat man sich ein schickes analoges Design ausgesucht, sich das mit ein paar wenigen farblichen Möglichkeiten angepasst, scheitert man bereits an der Einrichtung der sogenannten Hilfszifferblätter. Dies sind weitere Anzeigen auf dem eigentlichen Ziffernblatt, die mit verschiedenen Anzeigen wie zum Beispiel den Ladestand des Akkus oder dem Wetter personalisiert werden können – eigentlich. Denn nicht für jedes der drei Hilfsblätter steht auch jede Funktion zu Verfügung, so man diese denn auch findet.

Bis man nämlich endlich begriffen hat, dass man mit Fingerdruck am unteren Rand der Uhr irgendwo in einem leeren weißen Feld weitere Funktionen einrichten kann, vergeht unter Umständen einige Zeit. Hat man das verstanden und sich sein Ziffernblatt eingerichtet, erfolgt bei der Übertragung auf die Uhr die nächste Enttäuschung. Denn analoge Ziffernblätter werden zugunsten des eingebauten Lichtsensors einfach abgeschnitten. Die 6 am unteren Ende ist nicht mehr vorhanden. Als analoge Uhr ist also die Fossil somit eigentlich untauglich. Es bleibt nur eine digitale Variante.

Nun gut, damit könnten wir noch leben, schließlich bietet die Uhr ja etliche Funktionen, die das Smartphone ergänzen sollen. Hier sind besonders sämtliche Nachrichten per Mail und WhatsApp wichtig. Die Tests mit WhatsApp funktionierten hervorragend. Im unteren Drittel des Bildschirms wird nach einer kleinen Vibration angezeigt, dass man eine Nachricht erhalten hat. Mit Wischen nach oben kann man die vollständige Nachricht lesen. Bis hierhin also alles top und wie erwartet.

Auch der Empfang von Mails von nicht-Google-Mail-Konten funktioniert. Auf dem verbundenen Samsung Smartphone laufen drei verscheidene Mail-Konten auf, das Handy überträgt jede Mail anstandslos an die Q Founder. Laufen mehrere Mails gleichzeitig ein, wird die aktuelle angezeigt, zusätzlich erscheint unterhalb dieser Anzeige ein Vermerk +X weitere. Auch Termine werden angezeigt und somit erfüllt die Uhr den ihr zugedachten Einsatzzweck zur vollen Zufriedenheit.
Die Krönung des Ganzen ist die Sprachantwort auf Nachrichten. Hat man keine Hand für das Handy frei, wischt man nach rechts, tippt auf antworten und spricht einfach seine Nachricht. Und die kommt beim gegenüber tatsächlich fast originalgetreu an – man sollte eben nicht nuscheln.

Sämtliche anderen Funktionen der Uhr sind für unsere Ansprüche nur schmückendes Beiwerk, die aber das Paket an sich abrunden. Sei es die Google-Sprachsteuerung, die mit dem klassischen Befehl o.k. Google … eingeleitet wird, bis hin zu Maps, einem Wecker und alles, was man eben so auf dem Handy auch erwarten würde. Ein lustiges Gimmick, wenn man die Hände voll hat, ist die gyroskopische Schüttelfunktion, die statt den Knopf zu drücken, das Zifferblatt beim Schütteln des Armes aktiviert. Und wer auf Fitness steht, lässt eben auch seine Schritte zählen.

Angegeben wird die Akkulaufzeit mit einem Tag. Aber wie so vieles ist dies auch nur ein theoretischer Wert, der von der Nutzung und einem zur Verfügung stehenden WLAN-Netzwerk abhängt. Bei der bisherigen Nutzung als Mail- und WhatsApp Empfänger, sowie einiger kleinerer Spielereien kamen wir auf eine Laufzeit von knapp zwei Tagen. Selbstverständlich hängt das auch mit der Beleuchtung des Zifferblattes zusammen, das entweder auf dauerhaft oder ausblenden gestellt werden kann. Aber warum kann man nirgends eine Zeit einstellen, wie lange das Display sichtbar bleiben soll?
Drei Sekunden sind manchmal einfach zu wenig …

Eines der wichtigsten Features zur Fossil Q Founder steht nirgendwo geschrieben! Denn funktioniert die Verbindung zwischen Handy und Uhr auch noch, wenn man in sein Auto steigt und sich das Bordsystem automatisch mit dem Handy verbindet?
Klare Antwort: Ja, es gibt keinerlei Konflikte zwischen Handy, Uhr und Bordcomputer im Auto.

Fazit:

Die Fossil Q Founder ist eine tolle Uhr mit zahlreichen Funktionen, ohne die man zweifelsfrei leben könnte, aber auf die man schon nach kurzer Zeit nicht mehr verzichten mag. Optisch hübsch, lässt sie sich aufgrund des geringen Gewichts lässig am Handgelenk tragen. Einzig die nicht durchgängige Anzeige bei analogen Zifferblättern, eine komplizierte Einrichtung, die nicht vorhandene Anleitung und zwei Apps, die man erst durch Versuch-und-Irrtum erlernt, trüben das Gesamtbild.

Funktionen wie der Schrittzähler über Google Fit, Maps, ein Wecker, Erinnerungen und etliche andere sind neckisch und für den einen oder anderen bestimmt auch ein Grund, sich eine Smartwatch zuzulegen. Hier stand aber einzig und allein der Empfang von Nachrichten aller Art und deren Beantwortung im Vordergrund. Und dies funktioniert hervorragend.

Zur Fossil Q Founder fehlt uns vielleicht einfach der Vergleich zu anderen Smartwatches, aber als Anfänger mit den oben angeführten Ansprüchen an eine Smartwatch ist sie mehr als nur eine Armbanduhr mit Touchscreen und Nachrichtenabruf. Selbstverständlich ist eine Smartwatch kein Must-Have, aber es ist ein tolles Spielzeug für Erwachsene und bei einem Preis von nur 195,- Euro zumindest den berühmten Blick wert.

Link zur Herstellerseite: Fossil Q Founder

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2 Gedanken zu „Hardwaretest: Fossil Q Founder – das Handy am Handgelenk“

    1. Ja, es gibt auch eine App für Apple Geräte, diese wurde aber hier in Ermangelung eines iPhones nicht getestet. Weiterhin soll diese App weniger Funktionen anbieten.

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