Hardwaretest: CocktailAudio Multiplay 8 – was bin ich?

Wie nennt man denn nun die Hybriden zwischen einem echten Tablet und einem klassischen Radio, Multimedia-Center oder einer Bluetooth-Box wirklich? Offenbar hat man sich noch nicht auf einen gängigen Namen einigen können. So nennt Auna seinen Mix aus Touchscreen und Boxen schlicht aber prägnant Swizz, bei Hisense heißt das baugleiche Gerät reichlich unspektakulär Portable Media Center. Mit dem CocktailAudio Multiplay 8 steht nun der nächste Multimedia-Tablet-Mix mit einem endlosen Namen in den Startlöchern.

Wie schon beim Auna Swizz überlege ich, was man denn mit einem solchen Gerät eigentlich anstellt, was nicht schon ein Tablet leisten könnte? Welchen Zweck soll eine Kombination aus Tablet und 2.1 Boxensystem erfüllen? Welchen tieferen Sinn hat der/die/das Cocktailaudio Multiplay 8, welche Nische füllt ein solches Gerät, die nicht schon von anderen Geräten besetzt wäre? Wie man es dreht und wendet, es hat keinen tieferen Sinn und es füllt keine Nischen! Es ist als technisches Gadget einfach nur da und sieht erst einmal gut aus. Wie heißt es schon bei der Nahrungszubereitung? Der Appetit kommt beim Essen. Und so packt man das halbe Ei aus und fängt an, sich damit zu beschäftigen.

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Der Lieferumfang ist spartanisch. Inhalt der Packung sind das Multiplay 8, ein Netz- sowie USB-Kabel und eine Anleitung in Form eines bedruckten und zusammengefalteten Blattes Papier. Mehr braucht es aber eigentlich auch nicht, um sofort loslegen zu können. Man sollte allerdings in Sachen Android einige Vorkenntnisse mitbringen, denn tiefergreifende Informationen zum Betriebssystem oder wie man sich als Anfänger vielleicht Apps installiert, werden wenig bis kaum gegeben. Die Einrichtung in deutscher Sprache gestaltet sich Android typisch als wohltuend simpel, innerhalb ganz weniger Minuten ist der Bildschirm einsatzbereit.

Das Multiplay 8 verarbeitet alle gängigen Dateiformate von JPEG bis PNG bei Grafiken, MPEG und DIVX bei Videos und so gut wie sämtliche aktuellen Musikformate. Diese werden entweder auf den internen 8GB gespeichert oder extern über Mini-USB oder über eine SD-Karte mit maximal 64GB zugespielt. Zusätzlich verfügt das Gerät noch über einen Kopfhörer-Ausgang, mit dem man das Gerät auch per analogem Kabel an einen externen Verstärker anschließen kann. Ebenfalls vorhanden sind ein integriertes Mikrofon und eine 2 Megapixel Frontkamera zum Führen von Videotelefonaten.

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Gestartet wird das Tablet mit einem langen Druck auf den einzigen analogen Knopf. Vom Druck bis zum Start des Systems vergehen dann ca. 40 Sekunden, was doch recht lang erscheint. Leuchtet der 8 Zoll Touchscreen endlich auf, werden 1024×768 Pixel geboten, die gestochen scharf dargestellt werden. Als Betriebssystem wird Android Kitkat 4.4.2 verwendet, dessen Release bereits im Dezember 2013 erfolgte. Zum Vergleich: Im Moment ist Android Marshmallow in der Version 6.0.1 vom November 2015 aktuell. Der größte Schwachpunkt scheint jedoch der integrierte 5000 mA Akku zu sein, denn selbst im Stand-by ohne jegliche Nutzung musste das Multiplay 8 nach knapp 8 Stunden zum Aufladen an den Netzstecker. Man sollte also daran denken, das Multiplay bei Nichtgebrauch vollständig herunter zu fahren.

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Aber wofür nutzt man denn nun das Multiplay 8 tatsächlich? Dank Android sind die Möglichkeiten schier unbegrenzt, denn für jede noch so abwegig erscheinende Idee bietet der Google Playstore eine Lösung, je nachdem, wo das Ei in der Wohnung eingesetzt werden soll. Hat man sich erst einmal durch den Wust der – wie leider inzwischen üblich – fast unübersichtlichen Anzahl vorinstallierter Apps gewühlt, beginnt man zu sortieren, welche man denn nun wirklich benötigt und startet eine zeitintensive Deinstallation von überschüssigem Ballast.

Aber bei näherer Betrachtung der bereits installierten Apps wird deutlich, dass das Multiplay der Alleskönner in den eigenen vier Wänden sein soll. So findet man zum Beispiel einige Rezepte-Apps, um das Ei in der Küche als Ersatz für das klassische Kochbuch einzusetzen. Bei meinem mangelnden Geschick in der Zubereitung von Speisen sei aber dahingestellt, ob ich Fettspritzer oder Kuchenteig lieber in einem Buch oder auf einem teuren elektrischen Gerät verteile?

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Weiterhin vorinstalliert sind zahlreiche Apps zur Wiedergabe von Musik und Videos, um das Multiplay als Mediaplayer oder Radio verwenden zu können. Für die Wiedergabe von Klang sorgt das 2.1 Lautsprechersystem mit 2 x 5 Watt für die Boxen und 1 x 10 Watt für den Bass. Wo diese 10 Bass-Watt allerdings bleiben ist ein Rätsel, denn leider kommen Tiefen kaum am Ohr an. Aber gut, das ist zu verschmerzen, da das Multiplay ja keine vollwertige Anlage ersetzen soll. Für den Gebrauch als Radio oder das eine oder andere Fun-Video auf Youtube oder My Video ist das Boxensystem vollkommen ausreichend. Wie man aber auf der CocktailAudio eigenen Website darauf kommt, das Multiplay 8 als Spielkonsole für tausende von Spielen zu bewerben, ist unklar? Denn der Neigungswinkel des Gerätes lässt sich nicht verstellen und ist somit einfach viel zu steil für die dauerhafte Benutzung, die ein Spiel erfordert.

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Letztendlich entscheidet also der persönliche Anspruch über den Einsatz eines solchen Hybriden. Hier kommt das Multiplay 8 zur Steuerung des devolo Smart Home, zweiter Bildschirm neben dem TV und als stylischer Radiowecker auf dem Nachttisch zum Einsatz. So habe ich den Bildschirm die gesamte letzte Woche genutzt, um parallel zum Fernsehprogramm auf Twitch gamesdonequick zu verfolgen, die mit Speedruns diverser Videospiele über 1.210.000 Dollar für die Krebsforschung erspielt haben. Abends steht das Multiplay für meine Hörbücher und als Radiowecker auf dem Nachttisch, nachdem ich mein devolo Smart Home scharf geschaltet habe.

Fazit:

Man sollte das CocktailAudio Multiplay 8 als das betrachten, was es ist: Ein technisches Gadget, dass man haben kann, weil man auf technisches Spielzeug steht. Optisch auffällig durch seine runde Form ist es in praktisch jedem Raum der eigenen Wohnung ein Blickfang. Als Multimedia-Center mit großem 8 Zoll Bildschirm ersetzt es das klassische Küchenradio oder das kleine Handy-Display für Musik und Videos. Obendrein steuert man übersichtlich sein Smart Home und hat selbst ohne das Nachtlicht einzuschalten einen überdimensionalen Radiowecker. Dabei fällt auch das nicht mehr aktuelle Android Kitkat nicht ins Gewicht.

Das größte Argument für das Multiplay – nämlich das integrierte 2.1 Soundsystem – ist gleichzeitig auch sein Schwachpunkt. Auch wenn das Gerät kein Ersatz für ein echtes Soundsystem sein soll und kann, so hätte vor allem der Bass ein wenig mehr an Leistung vertragen dürfen. So manch aktuelle kleine Bluetooth-Box hat da mehr zu bieten. Und dennoch bringen die Boxen noch immer mehr Leistung als die meisten aktuellen Tablets.
Leider sind 1024 x 768 Pixel nicht mehr wirklich zeitgemäß und der Akku macht einen längeren Gebrauch abseits des Netzsteckers fast witzlos.

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Link zur Herstellerseite: CocktailAudio Multiplay 8

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