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Hardwaretest: Canon LEGRIA mini – zwischen Camcorder und Smartphone

canon_legria_teaser_220x140Eigene Filme aufzunehmen und ansprechend aufzubereiten war noch bis vor wenigen Jahren ein kostspieliges und technisch kompliziertes Hobby. Aktuelle Camcorder und vor allem Smartphones sind jedoch inzwischen halbwegs bezahlbar und simpel in der Bedienung. Somit quellen Videoportale wie Youtube oder Vimeo regelrecht über vor selbstgemachten Kurzfilmchen. Leider wird aber auf die Qualität zu selten Wert gelegt. Zusätzliche Videoschnittsoftware ist vielen in der Anwendung zu kompliziert, Hauptsache der Film ist schnell im Netz.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt Canon mit der LEGRIA mini. Wem der Camcorder zu unhandlich und das Smartphone qualitativ nicht hochwertig genug ist, findet hier die Alternative. Canon springt in genau diese Lücke. Einerseits eine echte Kamera, andererseits unwesentlich größer als ein Handy bietet die LEGRIA mini zahlreiche Funktionen und ein ungewöhnliches Feature. Das 6,8 Zentimeter kleine Touchdisplay mit 230.000 Pixeln lässt sich nämlich auch in Richtung des Benutzers drehen. So kann man nicht nur klassische Videos, sondern auch gelungene Selbstportraits aufnehmen. Das Bild auf dem Display wird dabei entsprechend gekippt. Endlich den Freunden zeigen, dass man tatsächlich auch live dabei war.

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Technisch steckt einiges in dem Camcorder-Zwerg. An Bord befinden sich ein 12,8 Megapixel Sensor, ein Ultraweitwinkel-Objektiv mit einer Lichtstärke von 1:2,8 sowie ein 1/2,3 Zoll CMOS Sensor. Damit ist Streaming von 640 x 480 Pixeln ebenso möglich wie HD-Aufnahmen mit 1.920 x 1.080 Pixeln bei einer Datenrate von bis zu 24 Mbps. Allerdings werden für die höchste Rate auch Micro-SD-Karten der Klasse 10 benötigt, die Cam verfügt über keinen eigenen Speicher. Die angegebenen 12,8 Megapixel stehen auch nur für Fotoaufnahmen zur Verfügung. Hier sind Bildgrößen bis zu 4000 x 3000 Pixel möglich. Bei Videoaufnahmen sinkt der Wert auf ca. 8,9 Megapixel. Obendrein hat man die Wahl zwischen einem Weitwinkel von 160 Grad bei Videos und 170 Grad bei Fotos, sowie der Standard-Ansicht von 71 bzw. 78 Grad.

Soweit zur Technik, doch was heißt das in der Praxis? Lässt man als engagierter Laie, der Spaß an schnellen Videoaufnahmen oder Fotos hat, den gesamten technischen Aspekt einfach außen vor, steht hier unter dem Strich ein unkompliziertes, aber hochwertiges Multitalent in Sachen Video und Foto. Die Bedienung ist dabei trotz zahlreicher Funktionen kinderleicht und geht bis auf wenige Ausnahmen fast intuitiv von der Hand. Ist der Akku aufgeladen und die Mikro-SD Karte eingelegt, steht ungewöhnlichen Aufnahmen nichts mehr im Weg. Das Display zeigt nach dem Anschalten und der Ersteinrichtung die vorerst benötigten Informationen wie Akkustand oder Modus und bietet am unteren Bildschirmrand vier Buttons für alles Weitere.

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Der Druck auf den Home-Button öffnet das Untermenü für alle Funktionen und Einstellungen. Hier kann man im ersten Reiter die Video- und Fotoqualität anpassen, die Gesichtserkennung aktivieren und etliche andere persönliche Einstellungen vornehmen. Der zweite Reiter bietet die passenden Audioeinstellungen zur Aufnahme, sei es Musik, im Wald oder die Rauschunterdrückung bei Straßenverkehr. Aber erst die Spezial-Aufnahme-Modi sorgen für ein rundum-sorglos-Paket bei der kleinen LEGRIA mini. Hier gibt es Intervall-Aufnahmen, die in einem festgelegten Abstand eine kurze Aufnahme erstellen, sowie eine anpassbare Zeitlupen- und Zeitrafferfunktion. Allerdings ist bei diesen Modi keine gleichzeitige Tonaufnahme möglich.

Selbstverständlich verfügt die kleine Cam auch über verschiedene Aufnahmefunktionen. So sind Nacht- oder Sportaufnahmen, sowie automatische Einstellungen für Strand oder Schnee völlig normal, auch wenn der Weißabgleich zusätzlich auch manuell justiert werden kann, aber einen Modus „Lebensmittel und Mode“ für besonders intensive Farben zu bezeichnen, ist dann doch eher ungewöhnlich. Eine weitere durchdachte Funktion ist das Spiegeln von Aufnahmen. So sollen zum Beispiel Tänzer ihre eigene Technik verbessern können. Ist der Selbstauslöser noch eine Standardfunktion, kommt der Fernbedienung hier schon eine besondere Bedeutung zu.

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Mit der Apple- oder Android-App CameraAccess kann man nämlich die LEGRIA mini aus der Ferne bedienen. Vorbei die Zeiten, in denen man den Selbstauslöser aktivierte und sich hektisch selbst ins Bild brachte. Auch hier kommen der Cam wieder ihre kleinen Abmaße und die damit ungeahnten Möglichkeiten zugute. Entweder man positioniert die LEGRIA mini über den ausklappbaren Standfuß oder man verwendet ein Stativ, bringt sich in die gewünschte Ausgangsposition und startet die Aufnahme einfach über das iPad oder Smartphone. Auf den Boden gelegt oder an unüblichen Orten aufgestellt, kommen somit ungeahnte Aufnahmen zustande. Ich persönlich vermisse eigentlich nur eine Zoom-Funktion. Es sind aber Aufnahmen ab einem Abstand von 40 Zentimetern möglich.

Damit aber nicht genug. Obendrein kann man seine erstellten Filme direkt im Gerät schneiden, zusätzlich mit einigen Effekten aufhübschen und dank WiFi sofort ins Netz laden. Trotz mitgelieferter Software und USB-Anschluss kann somit der Umweg über den PC vollständig entfallen. Wer nichts hochladen möchte, streamt die Filme auf das iPad oder schließt die Cam per HDMI an seinem TV an. Dank der beiden in der Front untergebrachten Mikrofone genießt man hier neben einem glasklaren Bild mit natürlichen Farben auch einen naturgetreuen Sound. Einzig bei Aufnahmen mit wenig Licht muss man einige Abstriche machen. Hier verblassen die Farben zunehmend und ein Rauschen ist nicht zu übersehen.

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Wo allerdings so viel Licht erstrahlt, muss es auch zwangsläufig ein wenig Schatten geben. Mit nur 76 x 22 x 96 Millimetern Größe und einem Gewicht von knapp 200 Gramm inklusive Akku passt die Cam in fast jede (Hosen-)Tasche. Aber genau dies sollte man auch entgegen des Canon-eigenen Trailers zur LEGRIA mini nicht tun, denn zumindest meine schwarze Kunststoffoberfläche in Klavierlackoptik ist äußerst sensibel. Neben ständig sichtbaren Fingerabdrücken sorgte bereits der einmalige Transport in meiner Jackentasche für die ersten hässlichen Kratzer im Gehäuse.

Zu verschmerzen wäre die geringe Akkulaufzeit von ca. einer Stunde je nach Aufnahmequalität, wenn dieser zum Laden nicht immer in die mitgelieferte Ladestation müsste. Ein Aufladen über USB ist nämlich nicht möglich. Und auch als Action-Cam ist die LEGRIA mini nicht zu verwenden, denn der fehlende Bildstabilisator macht schon Aufnahmen im Gehen zu keinem wirklichen Hingucker.

Fazit:

Der Canon Trailer zur LEGRIA mini zeigt fröhliche, sich selbst filmende Menschen beim Tanzen, Gitarre Spielen, Schminken und Kochen. Auf der eigenen Website sortiert Canon selbst die Kamera in die Rubrik Lifestyle Video. Und damit ist der Einsatzbereich der kleinen Kamera schon hinreichend beschrieben. Sie bietet bei Weitem mehr als nur eine Webcam oder das Smartphone, aber eben auch weniger als ein klassischer Camcorder. Der drehbare Bildschirm und der ausklappbare Standfuß eröffnen völlig neue Perspektiven und somit Möglichkeiten. Allerdings kann man die LEGRIA mini aufgrund des nicht vorhandenen Bildstabilisators gegen verwackelte Aufnahmen nicht als Action-Cam für das Bike und andere Sportarten benutzen.

Die Bild- und Tonqualität ist überzeugend. Farben sind naturgetreu, solange eine ausreichende Lichtquelle vorhanden ist. Zahlreiche Funktionen, das Touchscreen-Display, die aufgeräumten Menüs, das Streamen an mobile Endgeräte und das direkte Hochladen von Filmen per WLAN sind ebenso Pluspunkte der LEGRIA mini, wie der integrierte HDMI- und USB-Anschluss. Bei so viel technischer Qualität ist es umso ärgerlicher, dass das empfindliche Kunststoffgehäuse den hohen Standard nicht halten kann. Kratzer nur vom Transport sind einfach unnötig.

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Link zur Herstellerseite: Canon LEGRIA mini >>>

weitere Hardwaretests:

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Comment ( 1 )

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  1. Markus 09/04/2014 Reply

    Hi zusammen,

    Wie immer klasser Testbericht, weiter so.

    mac

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