Hardwaretest: Auna Swizz Mediacenter – das Runde steht auf dem Eckigen

Als vor Jahren die ersten LCD-Bildschirme aufkamen, war einer meiner ersten Gedanken, dass diese irgendwann einmal so klein werden, dass sie ausgedruckte oder handgeschriebene Preisschilder in Supermärkten ersetzen. Da sind wir angekommen. Dann kamen die ersten Touch-Screens und der Siegeszug von Smartphones und Tablets nahm seinen Anfang.

Heute gehören Knöpfe und Tastaturen schon fast einer aussterbenden Gattung an. Kaum ein elektronisches Spielzeug, welches dank iOS oder Android nicht inzwischen mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche daherkommt.

Auch das Auna Swizz Mediacenter ist so ein Gadget. Der Duden beschreibt ein Gadget als einen „kleinen, raffinierten technischen Gegenstand, der auch für Spielereien geeignet ist“ und trifft damit beim Swizz voll ins Schwarze. Denn alles, was das kleine Mediacenter in sich vereint, ist in den meisten, halbwegs technikaffinen Haushalten bereits vorhanden. Sei es der PC, das Smartphone, ein Tablet, eine Bluetooth-Box, ein digitaler Bilderrahmen oder ein Radiowecker. Warum also noch ein Gerät, das nichts besser macht oder weitere Funktionen bietet, als die bereits in anderen Geräten vorhandenen? Ganz einfach: Das Swizz Mediacenter ist eben ein Gadget und muss daher als technische Spielerei keinen tieferen Sinn erfüllen, als den Spieltrieb seines Benutzers zu befriedigen. Es ist also sinnfrei, sich über Sinn oder Unsinn Gedanken zu machen.

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Zu einem Spielzeug gehören Funktion und Ausstattung. Je mehr, desto besser. Hält man das knapp 900 Gramm schwere Swizz das erste Mal in der Hand, überlegt man, ob das Ei-förmige Aussehen dem Design oder der im Inneren verbauten Technik geschuldet ist? Aber wäre es eckig fragte man sich, ob man hier nicht an einem Tablet nur einen Standfuss verbaut hat? Der 7″ (18cm) Touchscreen, der eine Auflösung von 1024 x 600 Pixeln darstellen kann, wird eingerahmt von den zwei Boxen. Also unterscheidet sich das halbe Ei zumindest erst einmal optisch von gewohnten eckigen Tablet-Form.

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Wesentlich relevanter sind da schon die Anschlussmöglichkeiten, die das kleine Mediacenter bietet. Auf der Rückseite befinden sich neben den beiden kleinen Bassreflexöffnungen ein HDMI-Ausgang zur Video- und Fotodarstellung auf größeren Bildschirmen, ein Speicherkarten-Slot, ein Mini-USB-Anschluss (ein Adapter ist beigelegt) und ein Line-In Klinken Eingang. Durch die WLAN-Fähigkeiten des Swizz sollten aber diese Möglichkeiten nur für diejenigen Nutzer interessant sein, die entweder kein Internet oder Bluetooth zur Verfügung haben.

Nach dem Einschalten beginnt die obligatorische Ersteinrichtung des Android 4.4.4 Systems. Und hier erlebt der Nutzer eine positive Überraschung. Denn so angenehm spartanisch ausgestattet kommt üblicherweise kein Gerät daher. Lediglich die grundlegendsten Apps sind installiert, alles weitere stellt man sich dem eigenen Geschmack entsprechend zusammen. Damit entfällt die stundenlange Deinstallation von Software-Ballast, wie heute auf jedem neuen Smartphone üblich. Wer sich mit Android auskennt, ist also nach wenigen Minuten startklar, alle anderen werden unkompliziert durch das deutsche Menü geführt. Hierbei stellt man jedoch gelegentlich fest, dass die Berührungsempfindlichkeit des Touchpads mal sehr sensibel und das andere Mal erst auf den zweiten Druck reagiert. Aber das ist zu verschmerzen. Und spätestens jetzt sitzt man vor dem Swizz und überlegt, welchen Einsatzzweck das Gerät nun eigentlich erfüllen soll?

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Bei uns war dies schnell klar. Radiowecker und Hörbuch-Abspieler auf dem Nachtisch und I-Net Radio, Bluetooth-Box und Videoplayer in Küche und Badezimmer. Vorbei beim Planschen die Zeiten von schlechtem analogen Radioempfang oder quakigen Mini-Boxen von iPod oder Smartphone. Vor der Installation der als Einschlaf- und Radiowecker benötigten Apps wurde das Auna Swizz per Bluetooth mit dem iPad verbunden – dank Bluetooth-Version 3.0 eine unkomplizierte Angelegenheit. Das man von dem 2.1 System keine akustischen Wunderdinge erwarten darf, sollte auf der Hand liegen. Aber der Klang der kleinen Boxen überrascht, auch wenn Bässe mehr zu erahnen, denn zu vernehmen sind. Und dennoch, egal welche Musikrichtung auch gespielt wird, Instrumente und Stimmen wirken gut konturiert und sind bei mittlerer Lautstärke klar zu vernehmen. Bei höheren Pegeln neigen die Boxen aber dann gerade bei Gitarren-Sounds zu einem leichten Übersteuern. Aber wer will schon im Bad oder auf dem Nachttisch die Wände zum Wackeln bringen? Und als Party-Stimmungsmacher im Tanzsaal ist das Swizz auch nicht konzipiert.

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Hörbücher erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, von daher war der Einsatzzweck neben dem Bett schnell beschlossene Sache. Um am nächsten Tag nach dem Einschlafen nicht umständlich die letzte bewusst wahrgenommene Passage zu suchen, empfiehlt sich die Installation der App Sleep Timer. Diese App schaltet das Swizz nach einer individuell einstellbaren Zeitspanne aus. Das funktioniert jedoch nur bei auf dem Gerät vorhandenen Dateien. Extern angeschlossene Geräte wie iPod Touch oder andere werden von der App ignoriert. Empfindliche Menschen (wie ich) reagieren im Bett auf das leiseste Rauschen oder ein durch schlecht isolierte Spulen verursachtes Summen der Boxen. Das Auna Swizz zeigt jedoch keine dieser Unsitten von Geräten im Einsteigersegment.

Und auch Youtube-Videos machen auf dem kleinen Bildschirm Spaß. Egal ob Musik-Video, ein ausgiebiges Walkthrough durch Zelda oder ein Mario Speedrun bei Twitch, der Bildschirm stellt zwar kein HD zur Verfügung, bringt aber satte Farben ohne erkennbares Nachziehen von Bildern bei schnellen Bewegungen. Möchte man als Videospieler mehr als nur den nicht ganz überzeugenden Ton des New 3DS genießen, schließt man den Nintendo-Handhelden eben per Audio-Kabel an das Swizz an und lauscht dem Game-Sound über die externen Boxen.

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Sozusagen als Leckerli bietet das Auna Swizz Mediacenter noch zahlreiche weitere Funktionen. Als Android-Tablet mit Standfuß und Boxen getarnt, stehen selbstverständlich alle Apps des Google Play Stores zur Verfügung und auch eine 3 Megapixel Kamera ist verbaut. Für großartige Selfies ist die nach vorn gerichtete Linse ist diese allerdings nicht konzipiert. Sie dient für Videotelefonie per Skype oder Hangout.

Fazit:

Benötige ich Elektronik die Sinn macht, kaufe ich mir einen neuen Kaffee-Vollautomaten oder einen Wasserkocher. Beides Geräte, auf die ich unmöglich verzichten kann. Für alles andere gibt es das Auna Swizz Mediacenter. Aber was ist das Swizz denn nun genau oder wofür braucht man das eigentlich wirklich?

Nach ausgiebigen Tests ist es hier die universell einsetzbare, eierlegende Wollmilchsau. Sei es die stylische Musik-Wiedergabe im Büro, der entspannte Hörbücher-Genuss im Bad, der Einsatz als Radiowecker oder das Abspielen von Videos – das kleine Mediacenter steht überall da zur Verfügung, wo man keine Lust hat, den PC noch einmal anzuschalten oder Musik aus plärrenden Handy-Boxen zu hören. Die Bedienung per Touch-Screen ist simpel wie vom Tablet gewohnt, auch wenn dieser gelegentlich einen kleinen Anschubser braucht.

Als Videospieler hätte ich mir nur einen zusätzlichen HDMI-Eingang gewünscht, um meine Spielkonsolen im Falle von Germanys next Topmodell auch abseits des Familien-TV am kleinen Bildschirm des Swizz betreiben zu können. Aber vielleicht denkt man ja bei einem Nachfolgemodell mal darüber nach?

edit Dezember 2015:

Leider lässt die Qualität des Swizz trotz nur mäßigem Gebrauch spürbar nach, der Touchscreen befolgt Befehle nur widerwillig, der Prozessor reagiert trotz wenig geöffneter Anwendungen nur noch zeitverzögert und die Knöpfe beginnen zu klemmen. Da dies die Lautstärkeregelung und andere Funktionen einschränkt, muss in der Wertung nachträglich heruntergegangen werden.

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Link zur Herstellerseite: Auna Swizz Mediacenter

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