Guitar Hero: Warriors of Rock

Nach den letzten Guitar Hero Titeln will Neversoft zu den Wurzeln der Serie zurückkehren. Und so wird mit Guitar Hero: Warriors of Rock ein Spiel präsentiert, dass zwar auch an Umfang mit über 90 Titeln auf der CD, aber vor allem am Schwierigkeitsgrad wohl kaum zu überbieten sein dürfte. Denn wer schon bei Metallica oder Van Halen die Gitarre in den Fernseher geschmettert hat, ist hier der schieren Verzweiflung nahe. Für Vollprofis geht mit Warriors of Rock aber ein Traum in Erfüllung.

Wird in anderen Spielen üblicherweise von Bühne zu Bühne gerockt, wählt Neversoft diesmal einen anderen Weg und erzählt ein Märchen im Stile der Rock-Oper „Tommy“.

Zur Story: Der Halbgott des Rocks wird in einem epischen Kampf um den Rock`n`Roll besiegt und die „Legendäre Gitarre“ steckt (König Artus und die Tafelrunde lassen grüßen), fest in einem Stein. Nun liegt es an euch, die Krieger zu entfesseln und in die Schlacht zu schicken, um die Gitarre zurück zu erobern und den Halbgott des Rock zu befreien. Und so beginnt ihr das musikalische Abenteuer, indem ihr verschiedene Rock`n`Roller von ihrem irdischen Dasein befreit und diese zu Kriegern macht. Dazu spielt ihr eine Setlist und erreicht eine vorgegebene Anzahl an Sternen. Je nach Aussehen des Charakters gestaltet sich dann auch die zu absolvierende Songauswahl. Habt ihr zum Beispiel den Gitarristen Lars Umlaut (der heißt Tatsache so) auf der Bühne, müsst ihr euch in diversen Titeln des Black- und Death Metal beweisen. Und diese Titel wie Bloodline von Dethklok oder Psychosocial von Slipknot sind teilweise schon so unmenschlich schwer, so dass ich als Spieler, der sonst alle Songs zumindest auf mittlerer Schwierigkeit mehr oder weniger sicher mit der Gitarre absolviert, hier zurück auf die Schwierigkeit „Neuling“ wechseln musste, um nicht von der Bühne zu fliegen.

Für jeden gemeisterten Song erhaltet ihr, wie bereits erwähnt, Sterne. Habt ihr eine vorgeschriebene Anzahl dieser Sterne erreicht, wird euch ein weiterer Song vorgegeben, den ihr überstehen müsst, um den nächsten Musiker spielen zu können und ihn in einen Krieger zu verwandeln. Jeder dieser Musiker verfügt zusätzlich über unterschiedliche Power. So startet ihr zum Beispiel mit 10% mehr Starpower pro 10er Notenserie oder ein Schild schützt eure erspielte Serie. Mit den ersten vier Kriegern erobert ihr dann die „Legendäre Gitarre“ zurück. Aber hier nur einen Song oder eine simple Setlist zu absolvieren, wäre zu einfach und so spielt ihr euch durch RUSH 2112, das aus 7 verschiedenen Songs besteht, die alle nacheinander absolviert werden müssen. Dieses musikalische Leckerli wird von KISS-Legende Gene Simmons erzählt.

Wird diesmal also statt der bekannten Welt-Tournee von Bühne zu Bühne eine phantastische Rock-Oper präsentiert, so erfährt auch das Schnelle Spiel+ einen echten Frühjahrsputz. Alleine oder mit Freunden darf man für jeden Song bis zu 13 verschiedene Herausforderungen meistern, um hier bis zu 40 Sterne zu sammeln. Diese Herausforderungen reichen dabei vom simplen Highscore erspielen, über den Versuch, so viele Noten oder Akkorde wie möglich hintereinander zu treffen, bis hin zum Sammeln von Goldmedaillen für das perfekte Absolvieren von Songs. Diese zu erreichenden Sterne verteilen sich dabei auf alle Instrumente und verschiedene Band-Kombinationen. Verschiedene Kombinationen? Richtig gehört, denn endlich dürfen in Guitar Hero alle Instrumente beliebig kombiniert werden. Vorbei die Zeiten, als die Band aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang bestehen musste! Allerdings ist auch hier bei maximal vier Spielern Schluss.

Auch das Party-Spiel wurde verbessert. So ist es nun möglich jederzeit mit jedem beliebigen Instrument in einen Song ein- und auch wieder auszusteigen, ohne das Stück zu unterbrechen und die anderen Spieler zu stören. Ebenfalls an Umfang zugelegt haben die Gegeneinander-Modi, die offline bis zu 4 Spieler und online bis zu acht Spieler antreten lassen. So spielen im Pro Duell zwei Spieler die gleiche Notenserie auf verschiedenen Schwierigkeitsstufen, während im Momentum um die höchste Punktzahl gefightet wird. Hier ändert sich je nach Spielstärke der Spieler auch der Schwierigkeitsgrad. Weiterhin gibt es die Serie, die gewinnt, wer die längere fehlerfreie Notenserie spielt, Do or Die, bei dem der gewinnt, der die meisten Noten eines Abschnitts gewinnt, die Ausscheidung, bei der der Spieler mit den wenigsten Punkten von der Bühne fliegt, sowie das Rock Fest und Band vs. Band, so dass hier für jeden Guitar Hero Fan das passende dabei sein.

Bei Rock Band seit jeher mehr oder weniger Standard, dürft ihr nun endlich auch in Guitar Hero: Warriors of Rock Songs anderer GH-Teile importieren. Allerdings gilt dies „nur“ für die Scheiben Band Hero, World Tour, GH 5, Greatest Hits und Metallica. Van Halen oder Aerosmith werdet ihr in der Aufstellung vergeblich suchen. Entgegen bisheriger Ankündigungen, wonach der Import 480MS-Points kosten sollte, scheint dies zumindest momentan auf der XBOX umsonst zu sein. So gebt ihr den Code auf der Rückseite der Anleitung der zu implementierenden Scheibe ein, importiert euch das komplette Album und erweitert so eure Songliste um reichlich weitere Titel.

Guitar Hero: Warriors of Rock bietet den bekannt guten Comic-Stil und auch der Sound an sich ist wie immer über alle Zweifel erhaben. Aber anscheinend kommen nun nicht einmal mehr Videospiele ohne Social-Networks aus. So kann ich meine Ergebnisse direkt aus dem Spiel heraus auf Facebook oder Twitter präsentieren. Und im Startbildschirm finde ich den Hero-Feed, der mir brühwarm die besseren Ergebnisse meiner „Freunde“ präsentiert und mir zeigt, dass ich dringend weiterüben sollte. Auch wer wie unser allseits beliebter Geschäftsführer ein Sammler von Avatar-Awards ist, wird bei Guitar Hero: Warriors of Rock fündig: Gleich fünf verschiedene Awards kann sich der Profi erspielen

Fazit:

Ich bin bei Guitar Hero: Warriors of Rock zwiegespalten. Einerseits ist die Songauswahl so umfangreich wie nie zuvor und das von Gene Simmons super präsentierte Abenteuer motiviert ungemein zum Durchspielen, andererseits haben Songs Einzug gehalten, die für mich persönlich einfach unspielbar sind und dem Begriff „Partyspiel“ ad absurdum führen. Ich habe mir schon an Guitar Hero: Metallica die Zähne ausgebissen und nun werden mir Songs von Megadeath, Pantera oder Soundgarden präsentiert, die für den durchschnittlichen Konsolen-Musiker unmöglich in einem anderen Schwierigkeitsgrad als „Leicht“ oder „Neuling“ zu meistern sind. Also heißt es üben, üben und nochmals üben, will ich irgendwann die 1500 Sterne für den letzten Avatar-Award erreichen.

Aber endlich kann man auch hier Songs anderer GH-Teile importieren und das richtig gute Schnelle Spiel+ mit seinen unzähligen Spielmodi, Herausforderungen und eigenen Playlists machen den Schwierigkeitsgrad mehr als wieder wett. So bleibt unter dem Strich ein Spiel, das den Profi fordern wird und dem Anfänger und Durchschnitts-Spieler genügend Freiheiten nach oben lässt, seine Fähigkeiten zu verbessern. Und vielleicht erbarmt sich Neversoft irgendwann meiner und ich finde Billy Talent, 30 Seconds to Mars oder Blue October im nächsten Guitar Hero?

Hier bitte einen Kommentar verfassen