Gehört und für super befunden: „Ready Player One“ – Das Hörbuch

Amerika und der Rest der Welt in einer nicht allzu entfernten Zukunft im Jahr 2044: Die natürlichen Ressourcen sind so gut wie aufgebraucht, die Welt steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise und Menschen sind von Armut, Elend und Hunger geplagt. Einzig die virtuelle Welt OASIS dient der Flucht vor dem alltäglichen Chaos, in der Menschen als Avatar von besseren Zeiten träumen und ein virtuelles Leben leben.

In dieser Zeit wächst Wade Watts inmitten eines ranzigen Trailerparks bei seiner Tante auf. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, die Mutter verstirbt früh wegen Drogenmissbrauch. Und so lernt Wade lesen und schreiben in der OASIS. Denn auch ein Schulsystem gibt es nicht mehr im gewohnten Sinn. Wer nicht zur realen Schule kann, besucht virtuellen Unterricht in der OASIS.

Der Erfinder und Programmierer der OASIS, John Halliday, verstirbt und vermacht demjenigen sein gesamtes Vermögen, der ein von ihm in den unendlichen Weiten der OASIS verstecktes Easter-Egg findet. Dazu müssen drei Schlüssel gefunden und drei Tore geöffnet werden. Halliday war seit jeher ein Fan der 80er Jahre und so bezieht sich die von ihm inszenierte Suche nach dem Easter Egg auf unzählige Spiele, Filme, Bücher und Comics, eben auf die gesammelte Popkultur jener Zeit. Es gibt den sogenannten „Anoraks Almanach“, in dem jeder Film, jede Serie, jedes Buch und jedes Spiel vermerkt sind, die der OASIS-Schöpfer gelesen, gesehen, gespielt und geliebt hat. Und auch Wade alias Parsival in der OASIS macht sich wie hunderttausende andere Jäger auf die Suche nach dem Schatz. Aber da die OASIS aus tausenden Welten besteht, kommt niemand fünf Jahre lang dem Geheimnis auf die Spur und das Easter Egg verschwindet in der Welt der Legenden.

Bis Wade den ersten Schlüssel findet und die Jagd erneut entfacht. Doch der Erfolg wird geneidet und so schaltet sich ein multinationaler Konzern Namens IOI ein, der ebenfalls an das Vermögen, aber hauptsächlich an die Quellcodes der OASIS kommen möchte. Denn die kostenfreie OASIS soll mit monatlichen Gebühren und Werbung versehen werden. Dazu ist jedes Mittel bis hin zum Mord recht und die Jagd auf die verbliebenen zwei Schlüssel und Wade hat gerade erst begonnen …

Ready Player One ist ein Roman für Computer- und Videospielfreaks, die nach Möglichkeit die 80er Jahre zumindest vom Hörensagen her kennen. Denn wer weder mit Joust und Pen&Paper Spielen, noch mit Matthew Broderick und dem Film War Games von 1983 etwas anfangen kann, erhält hier nur den halben Spaß, auch wenn vieles innerhalb des Buches näher erläutert wird. Der gesamte Roman ist einerseits eine Liebeserklärung an längst vergangene Zeiten, als Filme noch Filme und Spiele noch Spiele waren, aber andererseits auch eine sozialkritische Story, die mehr als einmal hinterfragt, ob wir heute auf dem richtigen Weg ins Morgen sind?

So steht die gesamte Handlung über die Frage im Raum, wie weit eine virtuelle Realität eigentlich gehen darf? Ist das Real Life inzwischen so schlecht, dass wir uns nach einer virtuellen, weil scheinbar besseren Welt sehnen? Und wann wird aus einem Spiel Wirklichkeit und aus der Virtualität bitterer Ernst? Wade und ein Großteil der Menschheit verbringen den gesamten Tag in der OASIS, leveln ihre Avatare auf und jagen jahrelang Hallidays Easter Egg. Selbst virtuelle Credits werden inzwischen sogar als Bezahlung in der echten Welt akzeptiert. Und die Aussage in Ready Player One, man ruft lieber eine Support-Hotline an, statt selbst nachzudenken, ließ mich dann doch erschaudern, weil wir uns genau auf diesem Weg befinden:

„Dieses Schwert ist erst für Avatare ab Level 10 geeignet, sie haben momentan Level 3“

„Scheiße, und was mache ich jetzt damit?“

„Sie könnten es sich in den Arsch schieben und sich als Bratspieß verkleiden“

Bei aller hinter- und vordergründiger Kritik ist Ready Player One ein super Roman für Computer- und Videospielfans, insbesondere für Liebhaber guter Adventures, die wissen was ein Magier ist und wofür ein Elbenschwert +3 dient. Und es ist vor allem ein Roman für Leute wie mich, die die 80er live erlebt haben, die so gut wie jedes im Roman erwähnte Spiel gespielt und jeden Film gesehen haben und die mit ein wenig Wehmut an die guten alten Zeiten zurückdenken, als ein Spiel seinen Reiz aus der eigenen Fantasie und nicht aus möglichst realistischer Grafik bezog … ähnlich dem für die Handlung ausschlaggebenden Spiel „Adventure“ von 1979 für das Atari 2600, in dem der Entwickler Warren Robinett das erste Easter Egg der Videospielgeschichte versteckte.

Das allererste Easter Egg: Entwickler Warren Robinett versteckte seinen Namen im Spiel

 

 

 

 

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