Forza Motorsport 3

Im Mai 2005 hatte die XBOX-Welt endlich ihre Antwort auf das bis dahin alles überragende Gran Turismo, denn der erste von nun drei Teilen der Forza Motorsport Reihe wurde vom Entwicklerstudio Turn 10 veröffentlicht. Und im Gegensatz zum Sony-Produkt gab es hier endlich ein echtes Schadensmodell, welches nicht nur optische Auswirkungen hatte, sondern sich bei Unfällen auch in Punkto Fahrverhalten direkt auf die Boliden auswirkte.

Die Entwickler gingen dabei sogar soweit, dass bei einem Crash Stoßstangen und Heckflügel von den Fahrzeugen abgerissen wurden und auf der Strecke liegen blieben. Durch dieses Schadensmodell schob sich Forzaauf Anhieb an die Spitze der Rennspiel-Simulationen, denn nun waren Spieler gezwungen, tatsächlich vor einer Kurve zu bremsen, statt den Gegner als Bande zu missbrauchen. Und auch die Möglichkeit, eigene Designs für alle Fahrzeuge zu erstellen, war bis dato etwas völlig Neues.

War der zweite Teil an Umfang und Realismus schon ein Highlight der Konsolen-Rennspiel Geschichte, rollt nun endlich Forza Motorsport 3 an den Start. Nach dem Öffnen der Verpackung erwartet uns die erste Überraschung. Denn statt der üblicherweise einen DVD, liegen hier deren zwei in der Hülle. Nach dem Einlegen der Spiel-DVD wird man aufgefordert, die sogenannte Installations-DVD einzulegen, die weitere Strecken und Fahrzeuge beinhaltet. Diese Installation ist aber in wenigen Minuten erledigt und es darf endlich Gas gegeben werden. Dazu wird der angehende Rennprofi in einen nagelneuen Audi R8 V10 gesetzt, um ein Rennen auf dem Kurs Camino Viejo de Montserrat zu fahren (bekannt aus der Forza 3 Demo vom XBOX-Marktplatz). Diese zwei Runden dienen ähnlich wie bei Need for Speed Shift aber nur dazu, die Fähigkeiten des Spielers zu erfahren, um dann Vorschläge zum Schwierigkeitsgrad zu unterbreiten. Im Vergleich zum klasse EA-Titel, das den Spieler förmlich an den Haaren reißt und ihn in den Rennsitz presst, geschieht die Einführung bei Forza Motorsport 3 aber mit schon fast vornehmer Zurückhaltung. Das gesamte Menü wird im edlen Weiß und Rot präsentiert, keine sich bewegenden Hintergründe, keine Animationen oder Kommentare wie bei Colin McRae DiRT 2, alles strahlt eine angenehme Ruhe und Gelassenheit aus.

Das Spiel schlägt nun einen von vier Schwierigkeitsgraden vor, den der Spieler aber jederzeit anpassen kann, um sich sein Spiel individuell anzulegen. Jede der Einstellungen zu Autobremse, Antiblockiersystem, Stabilitätskontrolle, Traktionskontrolle, Schaltung und Ideallinie, beinhaltet mehrere Einstellmöglichkeiten. So kann beispielsweise die Ideallinie komplett an oder abgeschaltet werden, es können aber auch nur Bremspunkte angezeigt werden. Diese Einstellungen haben nach Rennende Auswirkung auf die zu erhaltenden Credits, denn je weniger Fahrhilfen aktiviert sind, desto mehr Geld gibt es.

Zu Beginn des Spiels darf sich der angehende Rennprofi einen Kleinwagen aussuchen und die erste kleine Rennserie wird auf dem Ladera Test Track absolviert. Dieser ist einer der neuen Kurse, die den Weg auf die DVD gefunden haben. Auch wurden die Veranstaltungen an sich neu organisiert. Es gibt jetzt einen Veranstaltungskalender, in dem man sich für eine von drei möglichen und vom Fahrzeug abhängigen Rennserien entscheidet. Nach jedem absolvierten Rennen sammelt der Spieler Credits für Platzierungen und nicht aktivierte Fahrhilfen, Abzüge gibt es für verursachte Schäden. Auch Erfahrungspunkte für den Fahrer und Autopunkte für das benutzte Fahrzeug werden vergeben. Mit jeder gewonnenen Autostufe vergeben Hersteller Rabatte auf Tuning-Teile und regelmässig wird der Spieler mit einem neuen Fahrzeug belohnt, welches wiederum in anderen Rennserien eingesetzt werden kann. Am Ende einer jeden Saison steht dann der World Cup der entsprechenden Fahrzeugklasse, der sich aber nicht von einer normalen Rennserie unterscheidet. Da man innerhalb einer Saison auch nicht alle Veranstaltungen fahren kann, weil man einfach das entsprechende Auto noch nicht in der Garage hat, besteht jederzeit die Möglichkeit, jede der 220 Veranstaltungen noch einmal anzuwählen und zu fahren.

Ein Herzstück von Forza Motorsport war und ist auch im dritten Teil das schier unglaubliche Tuning-Potential. Für jedes Auto lassen sich unzählige Upgrades erwerben, die sich dann auf Motorleistung, Fahrwerk oder Karosserie direkt auswirken. Angefangen beim Luftfilter über den Sportauspuff und die Schwungscheibe, bis hin zu Stabilisatoren, Hubraumerweiterungen und Heckflügeln ist alles vorhanden, was das Rennfahrerherz begehrt. Und diese Upgrades sind nicht nur optischer Natur, sie haben tatsächliche Auswirkungen auf das Fahrverhalten eines jeden Fahrzeugs, weswegen Profis stundenlang an ihren individuellen Fahrwerks-Einstellungen tüftelten, um noch eine Zehntel-Sekunde auf diesem oder jenen Kurs aus ihrem Boliden zu kitzeln. Und genau hier schieden sich aber im zweiten Teil die Geister. Dem einen war dieser Realismus gerade gut genug, Anfänger verzweifelten an den schier unendlichen Möglichkeiten. Forza Motorsport 3 geht deswegen einen neuen, Einsteiger freundlichen Weg: Profis dürfen weiterhin experimentieren, an virtuellen Schrauben drehen und nun sogar ihre Set-Up`s im Auktionshaus verkaufen, Anfänger lassen sich vom Programm mit automatischen Upgrades ein für das Rennen optimiertes Auto vom Computer zusammenstellen.

Aber wie in jedem Spiel gilt, grau ist alle Theorie, die Wahrheit liegt auf der Rennstrecke und um es vorab ganz kurz zu machen: Sieht aus wie Forza, spielt sich wie Forza und ist auch im dritten Teil das beste Rennspiel auf der XBOX 360.
Über 400 Autos von über 50 Herstellern tummeln sich auf 24 Kursen mit weit über 100 verschiedenen Strecken. Die Grafik ist wie immer überragend, auf dem Kurs Rally di Positano ist man geneigt, sein Auto abzustellen, um an den Strand zu gehen und ein Eis bei Sonnenschein zu genießen. Der Sound ist von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich und ändert sich je nach Bodenbeschaffenheit oder bei einer Fahrt im Tunnel. Einziger Schwachpunkt, wenn man denn nörgeln möchte, mag mangelndes Leben am Streckenrand sein, da nur hier und da ein paar Zuschauer die Begrenzung säumen, sowie die nicht vorhandenen Wettereffekte.

Sitzt man aber erst einmal im Auto geht es nur noch darum, das Rennen zu gewinnen. Und hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Es stehen 5 verschiedene Perspektiven zur Auswahl, wobei die Cockpit-Ansicht ein echtes Sahnestück ist. Aber die beste Grafik und der beste Sound nützen nichts, wie man am Beispiel Racedriver Grid erkennen musste, wenn die KI der Computer-Fahrer sich nicht dem hohen Niveau anpassen kann. Und auch hier gibt es keinen Anlass zur Kritik. Es wird zwar gelegentlich gedrängelt, aber die KI weiß die Bremse zu benutzen, statt dem Spieler ins Heck zu rauschen.

Die Fahrphysik ist nicht erst seit Forza Motorsport 3 eine Klasse für sich. Jedes der Fahrzeuge fährt sich anders und reagiert anders auf Bodenbeschaffenheiten und die Eingaben des Spielers. Ein Le-Mans Fahrzeug hat eben doch eine andere Bremsanlage und ein anderes Fahrwerk als ein hochgetunter Ford Focus.

Es gibt nur einen harschen Grund zum Quengeln: War bisher bei Rennspielen nach einem Fahrfehler Schluss, weil man abgeschlagen dem Feld hinterher fahren musste, ist die Rückspul-Funktion seit Grid aber leider nun scheinbar in jedem Rennspiel vorhanden. Klar, eine solche Funktion macht ein Spiel auch einem Anfänger zugänglich, aber leider ist man auch als Profi geneigt, sie zu benutzen. Es besteht nirgendwo die Möglichkeit, diese Funktion zu deaktivieren! Die Motivation, das Feld nach Fehlern von hinten aufzurollen, geht inzwischen auch in Forza Motorsport 3 völlig ab, weil man eben einfach keine Fehler mehr macht! Und welchen Zweck haben Zeitrennen, wenn man diese Funktion nutzen kann?

Wieder ins Spiel geschafft hat es der Design-Modus, in dem man sich seinen Traumwagen zusammenbasteln darf. Aus maximal 99 Schichten und reichlich vorgegebenen Mustern erstellten tausende von ambitionierten Spielern unzählige Fahrzeug-Designs, die dann im Auktionshaus bei Versteigerungen angeboten wurden. Leider gibt es (noch) keine Möglichkeit, seine in Forza 2 erstellten Designs in den dritten Teil zu übernehmen.

Neben soviel Licht gibt es aber auch ein wenig Schatten. Bietet der Online-Modus noch alle Möglichkeiten, Rennen individuell einzurichten, wurde diese Funktion offline in Forza Motorsport 3 scheinbar schon wieder „vergessen“. Offline besteht nur die Möglichkeit, vorgegebene freie Rennen zu fahren, ohne dass Rennlänge oder Gegner eingestellt werden können. Auch gibt das dünne Anleitungs-Heftchen den neuen Forza-Fans keinerlei Hinweise zur Erstellung von eigenen Designs.

Fazit Micha:
Der König ist tot, es lebe der König. War Forza 2 bisher die Vorzeige-Racing Simulation auf der XBOX 360, so übernimmt ab sofort Forza Motorsport 3 diesen Platz, obwohl ich persönlich ein wenig hin und her gerissen bin. Schön, dass Turn 10 versucht, das Spiel Einsteiger-freundlicher zu programmieren, aber dann muss es auch eine Möglichkeit geben, diese unsägliche Rückspul-Funktion zu deaktivieren. Klar, man muss sie nicht benutzen, aber der Mensch neigt dazu, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ansonsten wird viel Rennsport für das Geld geboten. 220 Veranstaltungen von kurzen 3 Runden Rennen bis hin zum 186 km Langstrecken-Rennen wollen erst einmal durchgezockt werden. Und etliche Stunden gehen bei den Profis auch wieder für Designs und Tuning drauf. Wer also lange und abwechslungsreich unterhalten werden will, Rennspiele liebt und schon immer mal den fahrphysikalischen Unterschied zwischen einem Fiat und einem Ferrari fast live erleben wollte, kommt an Forza Motorsport 3 nicht vorbei.

Fazit Lars:
Selten hat mich ein Rennspiel derartig vor den Bildschirm gefesselt wie das neueste Machwerk aus dem Hause Turn 10. Begibt man sich auf die virtuelle Rennstrecke, hat man gar nicht genügend Zeit, um alle Kleinigkeiten auf oder neben einer Rennstrecke zu entdecken. Selbst beim mehrmaligen Spielen finde ich immer wieder Kleinigkeiten, die den Entwicklern fast schon eine Versessenheit auf die unwesentlichen Dinge fernab der Strecke bescheinigen.
Damit jeder, wirklich jeder Spieler einen möglichst einfachen Einstieg in die Welt der Racing-Simulation verschafft wird, führt das Forza Motorsport 3 den Spieler im wahrsten Sinne des Wortes an der Hand und bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, seiner Passion nachzugehen. Ihr wollt eine bockschwere Simulation mit Lenkradunterstützung oder doch eher ein einfaches Spiel, das Fahrfehler verzeiht und euch auch noch die ideale Linie nebst Bremspunkten anzeigt? Kein Problem, einfach in den Menüs auswählen und eurem Können entsprechend könnt ihr spielen.
Was mir angenehm gefällt ist die Tatsache, dass man bis auf eine Hand voller Erfolge alles selbst erspielen und erreichen kann. Niemandem wird online spielen aufgezwungen und das ist doch schon sehr verwunderlich, dass gerade bei einem Spiel aus dem Hause Microsoft Game Studios so wenig Online-Gamerscore abverlangt wird.
Für mich ist Forza Motorsport 3 die Simulation des Jahres und von den gespielten Rennspielen auf allen Microsoft Konsolen das beste Rennspiel aller Zeiten. Um alle Fahrzeuge, Strecken und Einstellungen freigespielt zu haben, dürften die Maiglöckchen aus dem Boden sprießen und die lieben Kleinen die Ostereier suchen.

edit:
Für alle Spieler, die Probleme mit dem Erfolg “Unternehmer” haben:
Dieser scheint buggy zu sein, denn nach dem Verkauf eines Designs oder Set-Ups reicht es scheinbar nicht, auf “Credits erhalten” zu klicken. Es muss hier zusätzlich noch auf “Aufzeichnungen” gegangen werden, damit die Credits dem Konto gut geschrieben werden und der Erfolg sich freischaltet. Sinnfrei, ist aber zumindest bei mir so gewesen.

Kurse und Strecken (inklusive aktiviertem beiliegendem Code):

Amalfi Coast – 2 Strecken
Benchmark High Speed Ring – 16 Strecken
Camino Viejo de Montserrat – 8 Strecken
Circuit de Catalinya – 3 Strecken
Fujimi Kaido – 14 Strecken
Iberian International Circuit – 6 Strecken
Ladera Test Track – 6 Strecken
Le Mans Circuit de la Sarthe – 3 Strecken
Maple Valley Raceway – 4 Strecken
Mazda Raceway Laguna Seca – 1 Strecke
Mugello Autodromo Internazionale – 2 Strecken
New York Circuit – 4 Strecken
Nürburgring – 5 Strecken
Rally di Positano – 10 Strecken
Road America – 1 Strecke
Road Atlanta – 2 Strecken
Sebring International Raceway – 3 Strecken
Sedona Raceway Park – 10 Strecken
Siedewinder Proving Grounds – 18 Strecken
Silverstone – 3 Strecken
Sunset Peninsula Raceway – 6 Strecken
Suzuka Circuit – 3 Strecken
Tsukuba Circuit – 2 Strecken
Twin Ring Montegi – 4 Strecken

Erfolge Forza Motorsport 3

Abgehoben – Springen Sie 1,5 m. – 5G
Auktionär – Verkaufen Sie ein Auto im Versteigerungshaus. – 10G
Autoschrauber – Erstellen Sie eine Auto-Tuning-Datei für Ihren Wagen. – 10G
Autostufe 1 – Erreichen Sie Autostufe 1 im Saisonmodus – 5G
Autostufe 2 – Erreichen Sie Autostufe 2 im Saisonmodus – 5G
Autostufe 3 – Erreichen Sie Autostufe 3 im Saisonmodus – 5G
Autostufe 4 – Erreichen Sie Autostufe 4 im Saisonmodus – 5G
Autostufe 5 – Erreichen Sie Autostufe 5 im Saisonmodus – 5G
Connoisseur – Besitzen Sie (mindestens) ein Auto jedes Herstellers. – 50G
Drifter – Erhalten Sie mehr als 1.000 Punkte in einem einzelnen Driftabschnitt – 5G
Driftrunde – Erhalten Sie mehr als 100.000 Punkte in einer einzelnen Runde. – 5G
Fahrerstufe 1 – Stufe 1 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 2 – Stufe 2 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 3 – Stufe 3 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 4 – Stufe 4 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 5 – Stufe 5 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 6 – Stufe 6 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 7 – Stufe 7 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 8 – Stufe 8 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 9 – Stufe 9 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 10 – Stufe 10 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 15 – Stufe 15 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 20 – Stufe 20 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 25 – Stufe 25 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 30 – Stufe 30 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 35 – Stufe 35 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 40 – Stufe 40 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 45 – Stufe 45 im Saisonmodus – 10G
Fahrerstufe 50 – Stufe 50 im Saisonmodus – 10G
Fotonarr – Schießen Sie ein Foto von ihrem Wagen. – 10G

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