Forza Horizon 2 – One vs. 360

usk62Forza Horizon versprach vor ein paar Jahren die Freiheit, mit unerschwinglich teuren Supersportwagen (oder zumindest unerschwinglich teuer getunten Familienkutschen) eine riesige Spielewelt frei zu befahren.

Forza Horizon 2 setzt dem ganzen jetzt noch eins drauf: Statt eines kleinen US Bundesstaates durchfährt man nun Südeuropa im Mini-Format. Und dabei ist man nicht nur auf die mehr oder weniger befestigten Straßen beschränkt. In Forza Horizon konnte man schon mit tiefergelegten Tuning-Schlitten über Kies- und Schotterpisten schüren, in Horizon 2 verlässt man des Öfteren die Straße komplett und brettert durch Weinberge und Plantagen, dass die Büsche nur so durch die Gegend fliegen.

Vorausgesetzt, man spielt das Ganze auf der Xbox One. Aber auch die 360 Version braucht sich nicht zu verstecken.

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Während sich Playground Games die Rechenpower der Next Gen Konsole zu Nutze machen konnte, mussten Sumo Digital mit den Hardwarebeschränkungen der 360 zurechtkommen.

Zwei unterschiedlich gleiche Spiele

Zunächst einmal das Gute: Grafisch nehmen sich die Automodelle bei Xbox 360 und Xbox One nicht viel. Auf beiden Konsolen glänzen und funkeln die Boliden, dass es eine wahre Pracht ist. Und wenn man mit über 200 Sachen durch Nizza fegt, fallen auch die etwas unschärferen Texturen und weniger dicht platzierten Grasbüschel nicht so auf.

Wer auf der 360 wissen will, wie Horizon 2 auf der nächsten Generation aussieht, braucht sich einfach nur die Ladebildschirme anzusehen.

Wenn auch grafisch die Unterschiede nicht so gravierend sind, musste die Xbox 360 Version dennoch auf Teile der befahrbaren Landschaft verzichten. Kann man auf der Xbox One fast überall von der Straße abfahren und sich auf die Suche nach versteckten Bonustafeln oder Scheunenfunden machen, sind viele Straßen der 360 Version mit Leitplanken begrenzt. Lediglich die Strecken, die in Renn-Events ebenfalls über Stock und Stein gehen sollen, sind auch befahrbar.

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Neu dazugekommen in Horizon 2 sind auch Wettereffekte. Wiederum aber nur für Xbox One Besitzer. Unverhofft blitzt und donnert es, und die vormals trockene Straße verwandelt sich in eine spiegelnde Rutschbahn. Regentropfen werden von den Scheibenwischern weggewischt, und Wasserschleppen ziehen sich hinter den Fahrzeugen her. 360 Nutzer haben es also im Rennbetrieb etwas leichter und können jederzeit auf griffigen, trockenen Pisten auf entsprechende Bodenhaftung hoffen.

Der Rennalltag

Die eigentliche Rennkarriere ist vom Ablauf bei beiden Konsolen bis auf wenige kleine Details identisch. Man kommt bei Spielbeginn mit einem geborgten Lamborghini auf einer Fähre an und muss sich beim Horizon Festival einschreiben. Also gibt man dem gelben Stier die Sporen und findet sich alsbald im Landesinneren auf dem Festival ein.

Hier darf man sich dann eines von drei Startautos aussuchen. Auf Xbox One werden die Fahrzeuge in der Festivalkulisse gezeigt, auf der 360 muss man mit dem Menü sein Lieblingsfahrzeug wählen.

Ab jetzt fährt man mit seinem Fuhrpark über die Europakarte zu verschiedenen Festival-Orten, wo dann mehrere Renn-Events in der Umgebung auf den Spieler warten. Meistens fährt man ein Rundrennen oder eine festgelegte Streckenetappe. Aber bei manchen Festivals gibt es spezielle Events, bei denen man gegen klassische Eisenbahnen, einen Hubschrauber oder eine Kunstflugstaffel antreten soll.

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Außerdem lockern die offenen Fahrten von Festival-Treffpunkt zu Festivaltreffpunkt den Rennalltag auf.

Auch sonst gibt es in der Welt von Forza Horizon 2 viel zu tun. Hat man mal eben keine Lust auf Rundrennen, macht man sich in der Spielewelt auf die Suche nach Bonustafeln, die dem Spieler Erfahrungspunkte, günstigere Tuningteile oder Rabatte bei „Schnellreisen“ bieten.

Nicht zu vergessen sind auch die Scheunenfunde. Hier warten verschollen geglaubte Schätze in mehr oder weniger gut versteckten Scheunen auf den Spieler. Hat man ein verwahrlostes Fahrzeug gefunden, möbelt es die virtuelle Mechanikerin für den Spieler wieder auf und man hat dann ein besonderes Fahrzeug in seinem ständig wachsenden Fuhrpark.

Apropos ständig wachsender Fuhrpark: Während sich Xbox One Besitzer auf die bekannten monatlichen Autopakete und die Streckenerweiterung „Storm Island“ via DLC’s freuen dürfen, blicken die 360 Nutzer leider in die Auspuffröhre. Lediglich dank eines Deals mit Universal Studios bekommen beide Konsolen zur Promotion des Films „Fast and Furious 7“ eine allein spielbare Version von Horizon 2, in der die Film-Fahrzeuge entsprechend zur Geltung kommen. Hier kann man dann in einem Teilbereich der Horizon 2 Karte die furios schnellen Boliden aus dem Film durch Nizza scheuchen.

Der Multiplayeraspekt

Forza Horizon hat im Multiplayer so richtig Spaß gemacht. Dank der offenen Spielwelt gab es für jeden das Passende: Wettkämpfer haben in den Strecken- oder Rundkursrennen um Podiumsplätze gekämpft, verspieltere Naturen haben in mehr oder weniger großen „Arenen“ verschiedene Varianten von „Fangen“ gespielt, und wieder andere haben in den freien Fahrten entweder kleine Herausforderungen gemeistert (wie beispielsweise insgesamt eine gewisse Geschwindigkeit bei einer Radarfalle übertreffen), oder sind einfach in der Gegend gecruised und haben sich die Landschaft angesehen.

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Die Spielmodi der offenen Fahrt, der Rennen und den Arenen mit „König“ und „Virus“ Spielmodi gibt es auf beiden Konsolen auch im Nachfolger.

Hier wurde aber auf der 360 in meinen Augen das Lobby-Verhalten verschlimmbessert. Konnte man in Teil 1 mit seiner Party ein Multiplayerspiel starten und dann nach Belieben für die Öffentlichkeit öffnen, ist die Mitspielersuche in Teil 2 ein echter Krampf. Hat man ein privates Spiel für seine Freunde erstellt, kann man in Horizon 2 kein öffentliches Spiel mehr draus machen. Und unsere Spieltruppe hatte häufiger als in Teil 1 mit Netzwerkproblemen zu kämpfen. Es war uns nicht vergönnt, mit unserer Clique eine ordentliche Rennpartie mit allen Freunden zustande zu bekommen.

Microsoft hat dafür aber bei der One Version extra viel „Cloud-Power“ in das Spiel gesteckt. Startet man Horizon 2 und hat bereits das Solo-Spiel zu einem gewissen Grad gespielt, landet man zunächst bei einem „Autotreff“. Hier trifft man sich auf einem Parkplatz, und Xbox Live fährt dem Spieler entweder die aus Forza 5 bekannten Drivatare dazu, oder echte Online-Spieler aus der ganzen Welt warten auf dem Parktplatz auf Mitspieler.

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Die Autotreffs übernehmen hier mehrere Funktionen: Bis man genügend Spieler zusammen hat, kann man virtuell den Parkplatz entlang gehen und sich die Autos seiner Mitspieler ansehen. Per Knopfdruck kann man einen Blick ins Fahrzeuginnere werfen, und auch ein paarmal den getunten Motor aufheulen lassen. Falls dem Spieler ein Fahrzeugdesign besonders gut gefällt, kann er sich dies zusammen mit dem Automodell direkt beim Autotreff kaufen, ohne umständlich im Autosalon nach dem Design suchen zu müssen.

Auch sonst funktioniert der Multiplayer bei der One nahtloser. Fährt man im Solomodus umher, tauchen hin und wieder die eigenen Freunde von dem KI-Drivatar gesteuert auf. Wechselt man im Pause-Menü in den Online Modus oder trifft sich auf einem Autotreff, kann man direkt in eine offene Fahrt springen oder sucht sich eine Reihe von Renn-Events aus.

Letztere Option bietet dem Spieler direkt 4 Renn-Events an (da können auch die „Infiziert“ und „König“ Events dabei sein) und man ist schon mitten im Renngeschehen.

In der offenen Fahrt sieht man auf der Karte alle Events, kann für andere Spielteilnehmer GPS Ziele setzen, und wenn jemand ein Rennevent startet, kann man mit einem Knopfdruck direkt bei dem Rennen mitmachen oder aber man fährt einfach weiter in der Gegend umher.

Persönlich finde ich bei beiden Konsolen, dass der Multiplayer Part in Horizon 1 besser gelöst war. Wenn jemand gerne Rennen fährt, hat dieser eine Lobby aufgemacht, die Spielart eingestellt und einfach nur gewartet, bis genügend Leute in seiner Lobby waren.

Bei Horizon 2 gibt es drei „Bouquets“ aus 4 Renn-Events in einer Region zur Auswahl. Beispielsweise ein Streckenrennen, zwei Rundrennen und ein „Infiziert“ Event in Sisteron. Die Spieler geben dann eine Stimme ab, und das „Bouquet“ mit den meisten Stimmen wird dann genommen.

Leute wie ich, die einen ganzen Abend nur „Infiziert“ spielen wollen, können nur ins offene Spiel wechseln, dort einen Infiziert Event starten, und hoffen dass die anderen Mitspieler ebenfalls Lust auf ein solches Spektakel haben.

Unter der Haube

Autoliebhaber tun nichts lieber, als an ihren Fahrzeugen all das zu verbessern, was die Serienproduktion vernachlässigt hat.

Bei Forza Horizon 2 kann man daher wie schon im Vorgänger nach Herzenslust Bauteile tauschen und somit einen winzigen Fiat 500 in ein „abarthiges“ Rennmonster verwandeln.

Wem das Tauschen fertiger Bauteile aber nicht genug ist, der wird nur auf der Xbox One wieder glücklich. Hier kann man – wie es vom „Profi“ Forza bekannt ist – wirklich jedes noch so kleine Stellschräubchen justieren. Federwege, Spoiler-Anpressdruck, Getriebeübersetzung und noch viel mehr. Alles ist nur der nächsten Generation vorbehalten.

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Noch ein Wermutstropfen für 360 Besitzer: Auf der Xbox One wird der Spieler mit Geld und Autos nur so zugeschmissen. Dank der Anbindung an die Rewards werden regelmäßig Autos und Geldbeträge in die virtuelle Geldbörse gespült. Und nach jedem Levelaufstieg darf man zusätzlich an einer Art Slot-Machine auf weitere Geldpreise und Autos hoffen.

Bei der Xbox 360 Version muss man sich das Geld für seine Autos und Tuningteile allesamt hart mit Rennarbeit verdienen.

Mein Fazit

Auch wenn es sich im obigen Test so anhört, als hätte die Xbox One Version so viel mehr zu bieten: dem ist im normalen Spielbetrieb nicht so. In meinem Freundeskreis haben nicht viele Leute eine One, und daher habe ich mir zusätzlich auch die 360 Version für den Multiplayer gekauft, der leider im Vergleich zum Vorgänger enttäuschender ist. Das liegt aber eher daran, dass man es schwer hat, mit seinen Freunden ein gemeinsames Match mit anderen Spielern aufzufüllen.

Dennoch ist Forza Horizon 2 auf der Xbox 360 das schönste Rennspiel der gesamten Generation. Die Rennen funktionieren auf beiden Konsolen weitestgehend gleich. Ob man nun auf der One gegen eine Kunstflugstaffel antritt, die bei jedem Checkpoint mit fünf Düsenjets und Rauchfahnen über das eigene Fahrzeug donnern, oder ob das nur ein einzelnes Flugzeug ist, macht in der Renn-Hektik nicht wirklich einen Unterschied.

Durch die damals noch angedachte „always on“ Philosophie der Xbox One gibt es auch deutlich mehr soziale Interaktion mit anderen Spielern auf Xbox Live als mit der 360. Wer aber auf virtuelles Auto-Geprotze bei den Autotreffs oder die Namen seiner Live Freunde bei KI Fahrzeugen verzichten kann, hat auf der 360 genau so viel Rennspaß wie auf der One.

Die Festival-Atmosphäre ist erneut hervorragend eingefangen, und auch die musikalische Untermalung stimmt mich wieder versöhnlicher, nachdem die Musik bei Forza 5 eher nach einer Platzhalter-Komposition aus einem Halo Titel geklungen hatte.

Wer eine Xbox One sein eigen nennt, sollte sich aufgrund des DLC Nachschubs für die Next Generation Version entscheiden.

Wer noch eine 360 besitzt und noch keinen triftigen Grund für eine One hat, braucht nicht (je nach Ausstattungspaket) 500 Euro für Konsole und Spiel auszugeben.

Auf beiden Konsolen ist Forza Horizon 2 auf jeden Fall ein Pflichtkauf für jeden, der auch nur einen Hauch Benzin im Blut hat.

Lediglich aufgrund der verschlimmbesserten Multiplayermodi beider Versionen lautet mein Fazit:

4,5/5 goldene Lenkräder für die Xbox One Version, die mich mit anderen Online-Features und dem Feintuning begeistert hat, und 4/5 Festival Armbändchen für die Xbox 360 Version, die leider dank fehlendem DLC Nachschub von mir zusätzlich abgestraft werden muss. Dass die Storm-Island Erweiterung dank beeindruckender Wettereffekte es nicht auf die 360 schafft, kann ich noch einsehen, aber dass „simple“ Autos nicht nachgereicht werden, finde ich mehr als schade.

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