Blur

Rezept für ein gutes Rennspiel: Man nehme sich mit Bizarre Creations ein Entwickler-Team, das schon mit Project Gotham Racing Erfolg hatte, gebe jeweils eine kleine Prise Burnout und Need for Speed hinzu, rühre ganz viel Mario Kart unter und man erhält Blur.

Nun bezeichnet „Blur“ laut Internet eigentlich einen Weichzeichnungs-Effekt, um Geschwindigkeit zu simulieren, aber weich ist Blur beileibe nicht. Allein schon der Vorspann, der mit der „Spiel mir das Lied vom Tod“-Titelmelodie hinterlegt ist, lässt erahnen, dass es bei diesem Arcade-Racer äußerst knackig zur Sache geht. Auf frei erfundenen Kursen in allerdings realen Städten, rasen bis zu 20 Fahrer in über 55 lizenzierten Fahrzeugen um den Sieg.

„Ja, und?“, wird jetzt mancher denken „… kommt da noch was?“ Klar, denn der Clou von Blur sind die auf der Strecke platzierten Power-Ups, die euch und euren Gegnern das Rennen zu einem Ritt auf der Kanonenkugel werden lassen.
Bizarre Creations hat acht verschiedene dieser Power-Ups in das Spiel implementiert. Fünf dieser hier erlaubten Hilfsmittel dienen dem Angriff und damit dazu, die vorausfahrenden Fahrzeuge kurzzeitig auszubremsen oder sogar zu zerstören. Da gibt es den Stoß, der einen zielfolgenden Feuerball auf die Reise schickt, es gibt den Blitz, der drei ungelenkte Schüsse abgibt, den Abräumer, der Fahrzeuge in der Nähe wegschleudert, die klassische Mine und den Schock, der dem Erstplatzierten drei elektromagnetische Felder vor die Stoßstange setzt. Die anderen drei Power-Ups bestehen aus dem bekannten Nitro, für eine kurzzeitige Beschleunigung, einem Schutzschild und einem Reparatur-Kit, um das eigene Fahrzeug vor der Zerstörung zu bewahren.

Was bis hierhin nach einem Mario Kart mit Real-Grafik klingt, macht auf der virtuellen Rennstrecke aber mindestens genau soviel Spaß wie sein Comic-Pedant. Denn Blur ist nicht nur unglaublich schnell und hart, sondern mindestens genauso fair! Niemals zieht nach einem Treffer das gesamte Fahrerfeld an euch vorbei. Ihr verliert zwar kurzzeitig an Geschwindigkeit oder überschlagt euch einmal nach einem Treffer durch den Stoß, aber ihr seid augenblicklich wieder mitten im Geschehen. Da ihr jedes Power-Up auch nach hinten anwenden könnt, um Angriffe abzuwehren, kommt Frust erst gar nicht auf, da ihr ankommende Geschosse früh genug im Rückspiegel zu sehen und per Dolby auch zu hören bekommt.

Fast jeder Treffer ist also vermeidbar, so dass ihr nie die Schuld beim Spiel oder dessen KI-Programmierung sucht, sondern größtenteils bei euch finden werdet. Ihr seid sogar in der Lage, trotz Einschlägen am eigenen Fahrzeug mit ein wenig Streckenkenntnis einen formidablen Vorsprung und dann auch den Sieg herauszufahren, der euch so allerdings nur wenige Fans bringt.

Denn Rennen gewinnen ist nicht alles bei Blur. So bekommt ihr zwar das Rennen ab Platz drei aufwärts als erfolgreich beendet gewertet, was mit sogenannten Lichtern belohnt wird, aber ebenso wichtig wie Siege sind Fans. So wird euch vor dem Start die Aufgabe gestellt, durch aggressive Fahrweise und besonders spektakuläre Aktionen Fans in einer vorgegebenen Anzahl dazu zu gewinnen. Eine weitere Aufgabe ist der Fan-Sprint, bei dem während des Rennens ein Symbol überfahren werden muss, um eine Folge aus zwölf hintereinander zu durchfahrenden Toren freizuschalten. Auch das erfolgreiche Absolvieren dieser Aufgaben bringt am Ende Lichter ein. Neben den klassischen Rennen gibt es noch den Modus „Zerstören“, bei dem nur das Blitz-Power-Up auf der Strecke liegt. Hier geht es darum, während der Fahrt so viele Fahrzeuge wie möglich zu zerstören. Je mehr Fahrzeuge zerstört werden, desto mehr Punkte und damit Lichter gibt es. Ebenfalls spannend ist der Time-Modus, indem klassische Check-Points durchfahren werden müssen. Hier gilt es Stoppuhren zu sammeln, um zusätzliche Sekunden zu erhalten und Nitro geschickt einzusetzen. Auch hier gilt: je mehr Zeit auf der Uhr verbleibt, desto mehr Lichter gibt es am Ende.

Und was bringen denn nun diese Lichter? Im Solo- wie im Multiplayer-Modus geht es einzig darum, in neun Veranstaltungen möglichst viele Lichter zu erspielen, um den nächsten Event freizuschalten. Da das aber auf Dauer nicht motivierend wäre, gibt es noch Spezial-Aufgaben während eines Events zu erfüllen. Da wird zum Beispiel gefordert, mindestens vierzig Stoppuhren einzusammeln oder drei Stöße mit dem Schild abzuwehren. Sind diese Aufgaben erledigt, verdient man sich das Recht, gegen einen Boss-Gegner anzutreten und um dessen Auto zu fahren.

Hier kann man nicht nur das Auto, sondern auch Mods gewinnen, die u.a. den Blitz mit vier statt nur drei Schüssen ausstatten oder aber der Schutzschild erhält eine Verstärkung.

Aber damit nicht genug, denn das allein würde Blur zu einem recht normalen Rennspiel machen. Das Spiel bietet einen bekannten, aber motivierenden Solo-Modus mit zusätzlichem Split-Screen-Modus für bis zu vier Spieler, ist aber ebenso auf konsequentes Online-Gaming ausgelegt. Das beginnt nach einem Rennen im Solo-Modus, nach dessen Abschluss ihr einem Freund eine Herausforderung zukommen lassen könnt. Habt ihr zum Beispiel eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Fans erreicht oder seid eine neue Bestzeit gefahren, schickt eurem Freund eine Herausforderung, die er schlagen muss. Hat er das getan, kann er euch eine Gegenherausforderung schicken, an der ihr nun wiederum zu knabbern habt. Weiterhin könnt ihr eure Statistiken in Twitter und Facebook mitteilen und damit angeben.

Kernstück in Blur ist aber der Legenden-Modus. Mit dem Erreichen von Fans steigt ihr kontinuierlich im Rang. Ist insgesamt Rang fünfzig erreicht, ist eigentlich Feierabend, aber ihr werdet vor eine Wahl gestellt. Betretet ihr den Legenden-Modus, werden alle eure Werte auf Rang eins zurückgesetzt und alle freigeschalteten Inhalte gehen verloren. Zur Belohnung erhaltet ihr aber ein einzigartiges Legenden-Fahrzeug, mit allen Upgrades für den Online-Modus.

Da fällt die Wahl also nicht so schwer, oder?

Fazit:
Blur
glänzt neben einer fehlerfreien Grafik durch ein wohltuend aufgeräumtes und übersichtliches Menü, keine Spur von hektischen X-Games Anleihen und wilden Kamera-Fahrten. Der Sound ist klasse, die Bässe dröhnen und man hört, was an Power-Ups wo auf der Strecke unterwegs ist. Das Handling aller Fahrzeuge ist einwandfrei, verschiedene Bodenbeläge geben Rückmeldung an das Pad … Autorennen mit allen Sinnen genießen.
Die Präsentation mit reichlich Rennen in der Abenddämmerung mag eigenwillig sein, aber mir gefällt sie. Und dank des bewährten Entwickler-Teams Bizarre Creations bekomme ich als Rennspiel-Fan mit Blur ein aufgemotztes PGR mit gewohnt hohem Spaßfaktor. Allein der Aufstieg in den Legenden-Modus motiviert ungemein, um dann online mit einer perfekten Karre protzen zu können.
Wer also wie ich Project Gotham Racing und Mario Kart liebt, wird mit Blur seinen langanhaltenden Spaß haben, ein Pflichtkauf für Arcade-Racing-Fans!

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