Battlefield 3 – Einzelspieler-Kampagne

Da ist er nun, der Gewinner des Gamescom Awards “Best of gamescom 2011″ und sagt gleich mal dem Branchenprimus Call of Duty den Kampf an. Dazu legt Battlefield 3 sofort zu Spielbeginn die Karten auf den Tisch, um zu beeindrucken.

In einer Splinter Cell ähnlichen Einstiegssequenz ballert ihr euch durch einen fahrenden U-Bahnzug, hängt bei voller Fahrt nach einer Explosion außen am Waggon, hangelt euch per Knöpfchen-drückenden Quick-Time-Event auf das Dach, robbt auf dem Bauch liegend weiter vorwärts, landet wieder im Inneren und ballert euch weiter gegen unbekannte Attentäter Abteil für Abteil voran. Und gerade als ihr denkt, das Ende erreicht zu haben, tappt ihr in die Falle …

Schnitt, acht Stunden vorher, irgendein CIA-Vernehmungsbüro irgendwo auf dem Planeten. Sergeant Blackburn wird von zwei mächtig übellaunigen Agenten vernommen und beginnt seine Geschichte zu erzählen, die irgendwo im Iran beginnt. Und damit bin ich auch eigentlich schon mittendrin in der

Einzelspieler-Kampagne

Call of Duty typisch ernst wird die Story voran getrieben. Sergeant Blackburn erzählt und ihr werdet im entsprechenden Abschnitt seiner Geschichte abgesetzt. Die Handlung spielt bis auf wenige Ausnahmen im Iran, wo ihr euch im Nahkampf durch Häuserschluchten Straßenzug für Straßenzug voran kämpft. Die Areale sind dabei eng gesteckt, selbst das Umgehen von Feinden ist selten möglich, da ihr dann angezeigt bekommt, dass ihr das Kampfgebiet verlasst. Euch verbleiben dann fünf Sekunden, um euch umzudrehen und wieder dem Geschehen zuzuwenden. Schade nur, wenn man dabei an einem Hinderniss wie einem Geländer o.ä. hängen bleibt und das nicht mehr innerhalb des Zeitlimits schafft.

Spielrisch bietet Battlefield einiges, so seit ihr aber hauptsächlich mit Kampfsequenzen beschäftigt, in denen es darum geht, ein Areal von Feinden zu “säubern” und ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Dabei gibt es immer wieder Abschnitte mit Quick-Time Events, so zum Beispiel, wenn ihr im Nahkampf von einem versteckten Feind angegriffen werdet. Drücke B und RT im richtigen Moment und schaue der folgenden Videosequenz zu. Solltet ihr den virtuellen Tod erleiden, was auch schon auf “einfach” des Öfteren der Fall sein wird, werdet ihr euch einige Male über seltsame Speicherpunkte wundern. Denn es ist tatsächlich nicht sonderlich spannend, einem Teamkameraden per Räuberleiter auf ein Hinderniss zu helfen, dann eine Leiter hochzuklettern, in ein offenes Fenster zu springen, um dann von einem Feind erledigt zu werden und das alles nochmal zu erleben.

Die Kampagne ist selbst für Shooter-Ungeübte wie mich innerhalb von knapp acht Stunden, verschiedene Ableben mit eingerechnet, erledigt. Aber das tatsächliche Augenmerk liegt bei Battlefield ohnehin von je her auf dem Multiplayer-Modus.

Grafische Offenbarung in Dolby Digital?

Wer Battlefield 3 öffnet, findet 2 DVD´s vor, jeweils eine für den Single- und eine für den Multiplayer-Modus. Nach dem Einlegen der Scheibe wird erst einmal das System aktualisiert, um dann die Frage zu stellen, ob man denn 1,5 GB HD-Inhalte auf der Festplatte installieren möchte? Unbedingt JA, denn ohne diese Inhalte auf der Festplatte macht das Spiel grafisch nicht mehr her, als längst vergangene XBOX-Titel. Verwaschene Texturen, wohin das Auge blickt.  Aber nach der Installation zeigt die neue Frostbite 2 Engine, wozu sie fähig ist. Dabei haben es mir gerade die Animationen der eigenen Team-Member so richtig angetan! Da wird im Kugelhagel gesprintet, hinter einer Mauer oder einem Fahrzeug in Deckung gegangen oder auch einmal fast gestolpert, während beeindruckende Lichteffekte die Szenerie beleuchten. Schmutz- und Staubeffekte auf dem Bildschirm oder später Kratzer auf dem Glas einer F/A 18-Hornet Pilotenkanzel tun ihr Übriges, um ab und an den Mund vor Staunen nicht mehr zu zu bekommen.

Allerdings ist zumindest in der Einzelspieler-Kampagne nicht viel von den großen Versprechungen zu sehen, dass alles und jedes zerstörbar sein soll. Innerhalb von Gebäuden splittern Betonpfeiler, Glas zerspringt und Trennwände platzen weg, aber in den schlauchförmigen Außenarealen sind das Höchste der Gefühle Einschusslöcher in Wänden, Ausnahme sind hier jedoch die Missionen, in denen ihr im Panzer unterwegs seid. Hier beeindrucken vor allem explodierende Panzer und Fahrzeuge. Auch wenn die Einzelspieler-Kampagne spielerisch nichts wirklich Neues bietet, ist der Level als Schütze im Cockpit einer F/A 18 so ziemlich das grafisch Beindruckendste, was ich jemals in einem Videospiel erleben durfte. Der Abschnitt selbst bietet spielerisch an sich erneut nur Quick-Time-Events, bei denen ihr im richtigen Moment den Taster drücken müsst, aber durch die freie Sicht im Cockpit ist dieser Abschnitt etwas ganz Besonderes. Der Pilot vollführt atemberaubende Manöver, durchstößt die Wolkendecke, stürzt dem Erdboden entgegen und dreht und rollt die Maschine im Dogfight, dass es mir förmlich den Magen umgedreht hat, unglaublich! Dazu kommt eine Soundausgabe, die den Stress und die Anstrengung über das Bordmikrofon dermaßen authentisch herüber bringt, dass ich vor meinem Bildschirm ebenfalls vor Anstrengung gejapst habe. Ein absoluter Hammer-Level!!!

Und auch sonst ist der Sound nahezu an perfekt, aber man sollte ihn unbedingt über seine Surround Anlage genießen. Explosionen, hämmernde MG-Salven, splitterndes Glas und berstender Beton, soweit die Ohren hören. Statt üblichem Orchester gibt es diesmal Techno-ähnliche Beats, die das Geschehen begleiten. Auch Nicht-Fans elektronischer Klänge  werden zugeben müssen, dass jeder Sound zum Spiel passt und jedes Ereignis perfekt untermalen. Und wie oben bereits erwähnt: Der Funkverkehr innerhalb der F/A 18 Pilotenkanzel sorgte bei mir für Herzrasen. Die deutschen Sprachausgaben sind nahezu perfekt, auch wenn sich manche Sprachsamples zu oft wiederholen. Wenn ihr ein Machinengewehr-Nest nicht sofort eliminieren könnt und dann alle paar Sekunden zu hören bekommt, dass ihr ein Maschinengewehr-Nest elimienieren sollt, kann das manchmal nervig sein.

… von künstlicher Intelligenz, künstlicher Dummheit und anderen Fehlern

Entscheidend für einen Shooter egal welcher Art, ist grundsätzlich neben Bombast-Grafik und Brachial-Sound die KI der eigenen Kameraden und das Verhalten der Gegner. Aber hier patzt Battlefield 3, denn realistisches Verhalten in einem Kriegsgebiet unter Feuer stelle ich mir selbst als Laie anders vor. So nehmen die eigenen Teammitglieder bei einem Neustart des Abschnitts grundsätzlich die gleichen Laufwege. Was aber wirklich nervt, ist folgendes: Ich war schneller als ein KI gesteuerter Kamerad und nehme hinter einem Fahrzeug Deckung. Leider ist das aber ganz offensichtlich der Punkt, an dem mein KI-Mitglied vom System angesagt bekommt, ebenfalls genau diesen Platz einzunehmen. Statt sich nun einen anderen Ort für die Deckung zu suchen oder sich neben oder hinter euch zu postieren, werdet ihr einfach mal aus der eigenen Deckung mitten ins Feindfeuer geschubst.

Noch schlimmer verhalten sich aber die dauerspawnenden Gegner. Bereits am Beginn des zweiten Levels müsst ihr während eines Häuserkampfes zwei Panzerfaustschützen ausschalten. Solange dies nicht erledigt ist, hüpfen nicht endende Gegnermassen über eine Mauer. Da sich beide Einheiten über einen Parkplatz hinweg unter Feuer nehmen, versucht ihr an der Seite durchzubrechen, um den Angreifern in die Flanke zu fallen. Ihr könnt nun solange auf alles ballern, bis die Munition am Ende ist, denn weder nehmen die Gegner ein Ende, noch werdet ihr beachtet. Da sitzen euch Feinde in drei Metern Entfernung gegenüber und ignorieren euch größtenteils einfach. Das geht tatsächlich solange, bis ihr die Panzerfäuste ausgeschaltet habt. Damit sich hier keine Berge toter Attentäter sammeln, verschwinden diese nach wenigen Sekunden einfach vom Bildschirm und hinterlassen nur ihre Waffe.

Auch einen häßlichen Fehler hatte ich bereits. Abgesprengt von allen anderen muss ich mich alleine zu einem Sammelpunkt durchschlagen. An einer Stelle des Levels muss ich mehrere Gegner ausschalten, um eine Garage zu erreichen. Sind alle Gegner beseitigt, soll sich eigentlich innerhalb der Garage das Tor öffnen, um den nächsten Spielabschnitt zu erreichen. Leider kämpfte ich hier eine Weile mit “Geistern”. Stimmen und Gewehrsalven, aber niemand ist zu sehen? So irrte ich gut dreißig Minuten durch das Level, in der festen Überzeugung, etwas übersehen zu haben. Entnervt startete ich vom letzten Checkpoint erneut, erledigte nochmals alle Gegner und wie von Zauberhand öffnete sich nun das Tor, so dass ich weiterspielen konnte.

Fazit zur Einzelspieler-Kampagne:

Battlefield 3 ist wie seine Vorgänger ein Multiplayer-Game. Wer packende Solo-Missionen sucht, ist bei der Bad Company definitiv besser aufgehoben. Dazu ist hier die Handlung zu dünn, die Level zu linear und die gesamte Kampagne zu kurz. Es erinnert einfach alles zu sehr an Call of Duty, ohne wirklich eigenständig zu sein. Erschwerend kommen meiner Meinung nach etliche und oft unnötige Quick-Time-Events dazu. Über gelegentliche Ruckler oder vereinzelt auftretendes Tearing blicke ich im Eifer eines Gefechts ohnehin hinweg, dafür fesseln Grafik und Sound zu sehr, als dass ich das wirklich kritisieren könnte.

Alles in allem ist Battelfield 3 im Solo-Modus ein guter und solider Shooter, allerdings ohne echte eigene Ideen.

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