Alle Jahre wieder – gamescom

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da machte sich eine kleine Messe in Deutschland auf, zum größten Gamingevent der Welt (nach der E3?) zu werden. Anfangs noch klein und unscheinbar wuchs der Messezwerg.

Er wuchs so rasant, dass ihm sein alter Messeanzug in Leipzig nicht mehr passte und er sich in Köln einen neuen schneidern ließ. Dieser schlabberte zu Beginn noch ein wenig, aber der jetzt nicht mehr ganz so kleine Zwerg wuchs immer weiter. Inzwischen ist er nicht nur groß, er ist fett. So fett, dass er an manchen Tagen Diät halten muss, weil er sonst aufgrund der zahlreichen Videospieler platzen würde, die sich in seinem Inneren tummeln. Aber das stört in Köln niemanden, denn lieber stehen Videospieler erst stundenlang vor der Tür und dann an Ständen, um sich Trailer von Spielen anzusehen, die Minuten später bereits im Netz anzuschauen sind oder um wenige Minuten einen Titel zu zocken, der trotz Ankündigung dann ohnehin monatelang verschoben wird.

Es ist soweit … wieder einmal. Die gamescom 2014 öffnet ihre Pforten. Und da wir in die Zukunft sehen können, sagen wir den Ablauf schon jetzt voraus:

  • am Fachbesuchertag werden wieder mehr Besucher anwesend sein, wie über die kompletten drei Tage in Leipzig
  • auch 6jährige sind Fachbesucher
  • zur Business Area haben wieder alle unkontrollierten Zugang
  • es wird laut, hektisch, heiß und voll
  • es wird stundenlange Wartezeiten geben, um einen Blick auf ein Spiel zu erhaschen
  • es wird unzählige Fortsetzungen bekannter Titel geben
  • die Messe Köln wird neue Besucherrekorde verzeichnen
  • alle Publisher klopfen sich nach der Messe vor Begeisterung auf die eigenen Schultern

Weil inzwischen alle relevanten Veranstaltungen per Livestream zu verfolgen sind, genießen wir die Show vor dem PC. Hier ist es angenehm ruhig und kühl und niemand tritt uns im Sekundenabstand auf die Füße. Cola und Würstchen kosten ein Bruchteil dessen, was auf der Messe verlangt wird und wir müssen nicht stundenlang dafür anstehen. Warum also selbst nach Köln, wenn man jede noch so unwichtige Info kurz darauf im I-Net findet?

Die Messe wird erst wieder besucht, wenn der Fachbesuchertag wieder ein echter Fachbesuchertag ist und die Messeleitung einzig einen Gewerbenachweis oder Presseausweis als alleinige Legitimation anerkennt. Bis dahin genießen wir die Show eben aus der Ferne. Allen anderen viel Spaß im Gedränge 🙂

Wir erinnern noch einmal an die letztjährigen Tweets der ehemaligen Xbox-Ikone Boris Schneider-Johne:

  • Ein Blick in die Hallen bestätigt meinen Verdacht. Der Fachbesuchertag ist eine Illusion. Vielen Dank, @gamescomcologne
  • Mittwoch ist der neue Samstag!
  • Und sie lassen jedermann ins Business Center, ohne Kontrolle? Kaum ist man 2 Jahre nicht hier… @gamescomcologne
  • Hätte nie geglaubt, daß ich mich am Fachbesuchertag für eine Stunde ins Hotel zurückziehe, weil es zu fucking voll auf der Messe ist.

 

3 Gedanken zu „Alle Jahre wieder – gamescom“

  1. Dann muss ich mal zu Deiner Zukunfts-Prophezeihung was sagen: Deine Kristallkugel muss leicht nachkalibriert werden…

    Dank teurem Telekom Hotel WLAN und Internet-Problemen nach Umzug nur mal als Kommentar meine 2014’er Gamescom Impressionen:
    Da die Fachbesuchertickets dieses Jahr nur bis Freitag gegolten haben, ich Samstags zu einer Taufe musste (und die nur noch als Ein-Tagestickets erhältlichen Eintrittskarten für Samstag sowieso ausverkauft waren), muss ich sagen, dass das Samstägliche „Mitschwimmen in Besuchermassen“ an mir vorbei gegangen ist. Keine Ahnung also, was am Wochenende in den Hallen wirklich abgegangen ist.
    Den Fachbesuchertag empfand ich aber entspannter als an vorigen Messen. Keine 6 Jährigen „Fachbesucher“, und auch kein übermäßig langes Anstehen. Es gab zwar Warteschlangen, aber die waren durchaus ertragbar.
    Dafür waren am Fachbesuchertag trotzdem die Messe-Lanyards für das Ticket entweder nach Öffnung der Hallen „noch nicht da“, oder „schon alle weg“.

    Abgesehen von der etwas entspannteren Menschenmenge, gab es in meinen Augen nur wenige Highlights abgesehen von den typischen Fortsetzungen.
    Ein spielbares „The Evil Within“ war im Demo rätsel- und grusellastiger als das im letzten Jahr vorgespielte Demo bei der der Protagonist mit viel Muniton umher-ballernd vor einem Riesenmetzger wegrennt.

    Mit einer Oculus Rift im Virtuellen Cockpit von EVE Valkyre zu sitzen hat mich für alle vorigen Jahre „Games Convention“ und „Gamescom“ Gedränge entschädigt. Diese Hardware steht bei mir noch vor Platz 1 auf meiner Wunschliste. Ja, sogar noch vor Weltfrieden. Das Gerät ist einfach nur atemberaubend.

    „Quantum Break“ von den „Max Payne“ und „Alan Wake“ Leuten Remedy zeigt beindruckende Spezialeffekte (die Raum-verbiegenden und wabernden Zeitblasen sehen klasse aus). Die Atmosphäre ist beklemmend stimmig, und fühlt sich für mich nach einem „Day One Purchase“ an.

    Aber mein absolutes „Underdog“ Überraschungs-Game: „Bernd das Brot und die Unmöglichen“. Ein klassisches Point&Click Adventure mit Dialogen der original Autoren. Ich hab‘ den Test abgebrochen, als ich vor lauter Lachtränen den Monitor nicht mehr erkannt habe.

    Unentschlossen bin ich noch bei „Forza Horizon 2“. Wie es sich für ein Forza gehört, sehen die Autos aus, als wären es die echten Gefährte aus Hochglanz-Prospekten.
    Die neuen Regeneffekte auf dem Lack und die auch gutaussehende Scheibenwischer-Animation mit Wasserschlieren sieht realistisch aus.
    Dass man mit einem Lamborghini aber quer über ein Stoppefeld pflügt… Naja. Aber beim Vorgänger haben die „Virus“ Multiplayer-Modi ja auch offroad auf dem Carson Golf Kurs brutal Spaß gemacht.
    Wenn man aber (angespornt von dem Standpersonal: „Für die Plätze 1-3 gibts eine Sammelkarte für einen Schlüsselanhänger“) nach mehreren Fahrten ein gutes Gefühl für die Strecke hat, mit leichten Remplern die Computergegner in den Gegenverkehr drängt, und über dreiviertel der Strecke eigentlich „uneinholbar“ auf Platz 1 rast, bloß um dann wenige Meter vor dem Ziel dann von einer Gummi-Band-KI die nicht nachvollziehbar aus einer Kreuzung geschossen kommt, auf den vierten Platz durchgereicht zu werden, brodelt der Frust schlimmer, als bei Mario Kart von einem blauen Panzer getroffen zu werden.

    Sunset Overdrive macht höllisch Spaß, die Waffen sind abgedreht, aber die Cartoon Explosionen sind „undurchsichtig“. Ballern also alle aus dem Team mit Propangaswerfern, explodierenden Teddybären und sonstigen pyrotechnisch beeindruckenden Schießprügeln, sieht man vor lauter Flammen, Funken und Rauchfahnen keine Gegner mehr. Dafür kann man aber relativ fix auf Häuserdächer springen, nach „Jet Set Radio“- oder „Sonic“-Manier über Kanten und Seile grinden, und sich „von Oben“ einen hoffentlich besseren Überblick verschaffen, und erstmal woanders Energy-Drink-geschädigte Zombies beharken, bis der in Feuer und Rauch gehüllte Straßenzug wieder einsehbar ist.

    Sonst gab es reihenweise wieder neuen Wein in alten Schläuchen: Als Fifa-Verschmäher sah Teil 15 für mich genauso aus wie 14 (der einzige Fifa Titel, den ich besitze, weil der bei der Day One Edition meiner Konsole dabei lag).
    Borderlands the Pre-Sequel: Ist auch dasselbe. Aber weil „dasselbe“ einfach nur gut war, ist das für mich ein Kauf.

    „Metal Gear Solid: Phantom Pain“ sah genauso gut aus wie in der E3 Präsentation, und in der vorspiel-Demo wurden viele Seitenhiebe auf die vorige Demo gemacht (so gab es eine riesige Reklametafel, die den Aussichtspunkt der E3 Demo auf der anderen Seite des Canyons auswies).
    War es die ersten paar Male herrlich blödsinnig komisch betäubte Gegner, ahnungslose Schafe oder Jeeps die durch Pferdeäpfel ins Schleudern kamen einfach „in die Luft“ zu schicken, nutzte sich dieses Gimmick in meinen Augen schnell ab. Und Soldaten die auf Pappkartons nicht mehr reinfallen, solange kein Pin-Up Bikini-Girl drauf ist erinnern an frühere Metal Gear Teile, bei denen man eben Porno-Zeitschriften auf den Boden gelegt hat.

    Battlefield Hardline Multiplayer hat Spaß gemacht, genauso wie Call of Duty Advanced Warfare. Aber hätte nicht draufgestanden, welcher Teil es ist, hätte es genausogut auch „First Person War Gaming: The Generic Conflict“ sein können.
    Nicht falsch verstehen: Die Spiele haben Spaß gemacht, und haben kleine und feine Neuheiten, aber es ist „nur“ eine leichte Evolution von bereits bekannten Spielmechaniken.
    Bei CoD:AW wetzt man nun also mit Exoskeletten umher, und kann genauso hoch springen wie ein Pilot bei Titanfall. Und bei Hardline besetzt man nun Fahrzeuge, und fährt mit ihnen umher, statt Checkpunkte A, B und C einzunehmen.

    Apropos Evolution: Das von den Left 4 Dead Machern geschaffene Asymmetrische Gameplay (ein Monster, 4 Jäger) hatte seine Momente, würde mich aber nach den Testspielen mit unkoordinierten Teammitgliedern noch nicht zum Kauf bewegen. Ebenso beobachte ich mal noch Fable Legends, wo 4 Helden versuchen gegen einen „bösen Rollenspielleiter“ zu bestehen. Fable bestach immer durch charmante Storys und britischen Humor. Wenn man aber mit 4 Xbox-Live Leuten durch die Gegend zieht, die ständig mit meiner Mutter kopulieren wollen, weiß ich nicht, ob das Spiel wirklich funktioniert.

    Mal sehen was die Zukunft bringt. Ich probiere lieber aus, als mich auf Prophezeihungen zu verlassen (oder wie der Nazi-Wissenschaftler bei Indy 4 gesagt hat: „Vee do not guess! Vee must TEST!“)
    Und vielleicht hast Du ja doch mal wieder Lust durch die Messehallen zu flanieren, wenn nicht gerade zwei Konsolen neu vorgestellt werden.

    1. Lieber Micha,

      ich habe mir erlaubt, dem Kommentar einen eigenen Beitrag zu widmen. Ich hoffe, dies ist in deinem Sinne?

Hier bitte einen Kommentar verfassen